Ilmenau: Fahnenflucht, Staatspunkrott und Zvo55

Am vorletzten Freitag, dem 13.09.2013, fand im Ilmenauer BC-Club ein Punkrockkonzert mit der Band Fahnenflucht als Headliner statt. Jene Konzerte sind in der südthüringischen Kleinstadt mittlerweile leider zur Seltenheit geworden.

Das Konzert begann gegen 21 Uhr mit der Band Zvo55, in der der Gitarrist von Staatspunkrott ebenfalls Gitarre spielte und sang. Musikalisch erinnerte die Band teilweise an größere Bands wie z.B. „Die Ärzte“ oder „Schrottgrenze“. Dabei klang bei ihrem Auftritt immer wieder auch eine eigene Note durch, was verhinderte, dass es nur ein musikalischer Abklatsch von bekannten Pop-Punk Bands wurde. Textlich bewegte sich die Band zwischen den üblichen Punkrockthemen, wobei die Thematisierung von Liebe und Beziehungen mit einem gewissen Kitsch von „Punkballaden“ nicht fehlen durfte. Wem also eine Band ähnlich der Pop Punk Bands am Ende der 90er Jahre und Anfang der 2000er Jahre gefällt, sollte sich Zvo55 zu Gemüte führen.
Bei Staatspunkrott, von denen man zumindest in Thüringen seit langem nichts mehr gehört hatte, waren bei einigen Leuten die Befürchtungen groß, die klassische Deutschpunk Band mit schlechtem Ska-Einflüssen zu hören, die man mit 15 Jahren noch auf „Es lebe der Punk“ Samplern etc. gehört hatte. Zum Glück war dem nicht so. Staatspunkrott spielten mit mehr Hardcore Punk Einflüssen und es waren kaum Off-Beats und keine gelangweilten Ska Einlagen zu hören. Es war fast schon ein Genuss Staatspunkrott zuzuhören. Die Abwechslung aus melodischen Einlagen und den Hardcore Punk Einflüssen, gemischt mit einer guten Show Einlage ließen einen Großteil des Publikums nicht auf einer Stelle stehen. Natürlich durften einige Klassiker der Band, die auf den typischen Samplern für drei Euro Berühmtheit erlangeten, nicht fehlen. „Ich werd jetzt Polizist“ ist wohl einer der bekanntesten Lieder der Band, die in diese Kategorie der Klassiker fällt. Beachtlich ist, dass die Band, obwohl sie einige gar nicht mehr auf dem Schirm hatten, seit mehreren Jahren durchweg Musik macht, unaufhörlich an neuen Songs arbeitet und jede Menge Festivals bespielte. „Punk im Pott“, „X-Mas Pogo“ oder auch „Rock am Ring“ waren dabei Stationen der Band. Gemeinsam mit verschiedenen anderen Bands wie Fahnenflucht, Chefdenker, Zaunpfahl oder Sondaschule sammelte die Band über viele Jahre Erfahrungen auf der Bühne, was sie an diesen Abend deutlich unter Beweis stellten. Staatspunkrott arbeiten zur Zeit weiterhin an neuen Songs, so dass man gespannt sein kann, was die Band in Zukunft noch so raushaut. Am 5.Oktober sind Staatspunkrott und Zvo55 im Grünen Haus Suhl zu sehen.
Der Headliner des Abends war Fahnenflucht. Ebenfalls eine Band, die seit Jahren Deutschpunk mit politischen Texten spielt und auch immer wieder klare Positionen vertritt. Dabei haben sich „Fahnenflucht“ immer von den typischen Deutschpunkbands mit „Scheiß Bullen! Scheiß Staat! Lieber Saufen“ Attitüde abgegrenzt. Auf stumpfe Ansagen, wie es viele Punkbands tun und dabei ihr Parolen 1×1 herunter beten, verzichtet die Band glücklicherweise auch. Neben den politischen Texten mit Kritiken an Nationalismus, Rassismus und den bestehenden Verhältnissen, spielt die Band auch geradlinigen Punkrock. Nach vielen aktiven Jahren und veröffentlichten Alben ist immer wieder der Stil der Band zu erkennen, ohne das die Band musikalisch auf einem Punkt stehen bleibt. An diesem Abend spielen „Fahnenflucht“ alte Klassiker und neue Songs von ihrem letzten Album „Schwarzmaler“. Egal bei welchem Lied, die Leute im Publikum zeigten sich dabei sicher beim Mitsingen der Texte. Für die Gäste des Konzertes hatten sich die acht Euro Eintritt wirklich gelohnt. „Fahnenflucht“ spielte eine wirklich gute Show, was dem guten Sound mit zu verdanken war. Gegen Ende spielte Fahnenflucht auch noch ein kleines Medley aus verschiedenen eigenen Songs und Coversongs. Auch holte die Band ein oder zwei (die Lage wurde plötzlich unübersichtlich ;-) ) „Geburtstagskinder“ auf die Bühne, die singen sollten. Leider trauten sie es sich nicht.
Nach mehreren Liedern bei der Zugabe endete auch das Konzert. Für ein Punkkonzert in einem Studentenclub, dazu noch in Ilmenau, war es ein sehr gelungener Abend!