Human-T-Error zur aktuellen Lage der Flüchlinge in Deutschland

In einem gefundenen Beitrag äußert sich die Punkband Human -T- Error aus Langewiesen/Jena zur aktuellen Situation von Flüchlingen in Deutschland. Anbei dokumentiert Thüringenpunk den Kommentar, weil es wichtig ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die flüchtenden Menschen unsere Solidarität und Unterstützung benötigen, um sich gegen den aufstrebenden deutschen Mob verteidigen und zur Wehr setzen zu können. Hierbei sei auch auf die Demonstration morgen in Erfurt und übermorgen in Greiz hingewiesen!

Hellersdorf, Greiz, Schneeberg, Isny, Pätz etc. etc. etc.

Der deutsche Mob tobt mal wieder und lässt den Frust über sein eigenes beschissenes Leben an den Ärmsten dieser Gesellschaft aus.

Man stelle sich vor: Da kommen Menschen zum Teil traumatisiert, aus Kriegsgebieten über einen künstlich geschaffenen Strich auf der Landkarte, in dieses Land. Und was geschieht hier mit ihnen?
Man steckt sie, statt ihnen eine kleine Wohnung zu geben, in ‚guter deutscher Tradition‘ in Lager, in denen die Lebensbedingungen und sanitären Einrichtungen mehr zu wünschen übrig lassen als die Emphatie ihrer Nachbarn von der anderen Straßenseite.
Ihnen wird keine Arbeitserlaubnis erteilt – da kann man ja später auch besser von arbeitsscheuen Asozialen reden.
Ihnen wird in einigen Gegenden eine Residenzpflicht auferlegt die ihnen untersagt den Landkreis zu verlassen.
Sie dürfen nur mit einer Art Lebensmittelmarken einkaufen, die jedweden ‚kleinen Luxus‘ verunmöglichen, Klamotten werden wahllos nach passender Größe ausgegeben.
Und vor der Tür stehen die ‚lieben Mitbürger‘ und reden von Asylbetrügern denen es viel zu gut geht da man ihnen angeblich alles in den Arsch schiebt.

Ich selbst (Carsten) hatte vor einigen Jahren als Mitglied einer Delegation aus Linkspartei und JAPS Jena, bereits das fragwürdige Vergnügen, einige dieser Lager von innen zu sehen und war überrascht davon mit welcher Gastfreundschaft man dort empfangen wird, trotz der Tatsache das man zu eben zu jenem ‚Volk‘ gehört welches diese Menschen einsperrt, isoliert und auch kriminalisiert. Sowas sollte einen zu denken geben wenn man heute von eben jenen behauptet sie würden stehlen, erpressen und morden!
Und das nur weil man diese Menschen in ihrem Elend sieht, in welches dieses Land sie selbst hinein gesteckt hat und Großteile der Bevölkerung auch kein Interesse haben sie aus diesem wieder zu befreien.

Das es auch unter den Heimbewohnern mal den Einen oder Anderen gibt der auf der Straße nicht gleich alle Menschen freundlich grüßt und zu jedem Deutschen ‚Ja Massa, Danke Massa‘ sagt mag sein.
Aber was genau erwartet ihr?
Behandelt ihr einen Menschen schlecht wird dieser euch nicht die Füße küssen.
Isoliert man eine Gruppe von Menschen so darf man sich nicht anschließend über deren Seperation beschweren.
Tritt man Anderen nur mit Vorurteilen gegenüber werden sie diese unter Umständen erwidern.
Und vor allem: Lässt man Menschen elendig hausen, gibt ihnen nur das Allernotwendigste zum Leben, verweigert ihnen eine Arbeitserlaubnis mit der sie ihr Dasein verbessern könnten, so braucht man sich nicht wundern wenn einige von Ihnen versuchen ihren Lebensstandart auf anderem Wege zu heben.
Aktion und Reaktion hat man dass mal in der Schule mal genannt.
Und es ist auch durchaus nachvollziehbar, auch wenn wohl kaum einer von uns mal einen Ausländer getroffen haben dürfte welcher tatsächlich diese ganzen Klischees erfüllt.
Ich persönlich habe bereits einige Flüchtlinge kennengelernt und nicht einer von ihnen war unsympathisch, mir gegenüber aggressiv, hat versucht mir mein Fahrrad zu klauen, oder ähnliches. Im Gegenteil!

Aber mit dem kriminellen Ausländer ist es wie mit dem bösen Wolf. Keiner hat ihn je getroffen aber wir erzählen uns (wiedermal in ‚guter deutscher Tradition‘) gerne Schauermärchen über ihn.

Wenn wir als Band sagen dass wir uns gegen Fremdenfeindlichkeit stellen und Rassisten zum kotzen finden, meinen wir damit nicht nur prügelnde Neonazis, sondern auch Müller/Meier/Schulz die sich fremd im eigenen Land fühlen und uns was vom Erhalt unserer abendländischen Kultur erzählen.
Die sich vor der Unterwanderung unserer christlichen Kultur durch Muslime und Juden fürchten obwohl sie selbst kaum eine Kirche von innen gesehen haben.
Wir meinen all diejenigen die (laut eigener Aussage) zwar keine Nazis sind, ABER….
- wollen dass sich Flüchtlinge gefälligst wie Gäste benehmen und sich der deutschen Leitkultur anpassen.
- ‚Arbeitsplätze zuerst für Deutsche‘ fordern, weil sie glauben durch den Zufall der Geburt in Deutschland, ein Vorrecht darauf zu haben, aber im selben Atemzug Putzjobs und Erntearbeiten ablehnen weil das ‚Türkenarbeit‘ ist
- glauben dass sich Deutschland zuerst um deutsche Interessen kümmern sollte, statt den Rest der Welt ‚mit Geldern zu füttern‘

Ja wir meinen die xenophobe bürgerliche Mitte, die sich mehr um ihre sogenannten Werte und ihre Ordnung sorgt als um Menschlichkeit und ein tolerantes und weltoffenes Miteinander.
Die geistige Unterschicht sozusagen.

Sie können sich so sehr sie wollen von rechter Gewalt distanzieren, sie werden nie einen Deut besser sein als gewalttätige Neonazis.
Denn sie sind nichts anderes als das ideologische Benzin in den Brandsätzen der Nazischläger.
Und so lange sie ihre Hetze weiterhin ‚Aufklärung‘ nennen ist es kein Wunder dass so viele Nazis durch unsere Straßen rennen. Die Gesellschaft ist und bleibt nunmal der beste Mentor auf dem Weg zu einem rießengroßen Vollidioten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Deutschtümmelnde Deppen mit viel Sinn fürs Vaterland, deutsche Werte und die abendländische Kultur wollen wir weder auf unseren Konzerten noch in unserem privaten Umfeld haben! Wenn ihr euch in einigen oder auch nur einen Einzigsten Punkt unserer Kritik wiedergefunden habt und solche Thesen wie gerade eben von uns kritisiert, zum Teil auch vertretet, dann tut uns bitte einen Gefallen:

Bleibt unseren Konzerten und Partys bloß fern denn dort seid ihr mit eurer Einstellung zu 100% am falschen Ort.

Punkrock bedeutet für uns nämlich nicht nur Spaß, Provokation und laute Musik, sondern auch eine bunte und kulturelle Vielfalt die keine Grenzen kennt.
Menschen anderer Nationen und Kulturen sind uns, ganz gleich ihrer Herkunft, Hautfarbe und Religion, stets und immer willkommen – auf unseren Konzerten, in unserer Nachbarschaft und in unserem Freundeskreis.

Wenn ihr der selben Meinung seid, dürft ihr diesen Post gerne teilen und mit uns gemeinsam dem dumpfdeutschen Mob die Stirn bieten.

Und niemals vergessen:
Alle Menschen sind Ausländer – Irgendwo
Alle Rassisten sind Arschlöcher – Überall

Human-T-Error
Langewiesen/Jena
November 2013