Naziübergriffe in Weimar

Am letzten Januarwochenende kam es in Weimar in der Gerberstrasse 3 und im C-Keller zu Naziübergriffen. Wir dokumentieren die Erklärungen zu den Naziübergriffen, sowie eine Kritik der Autonomen Antifa Weimar zur Gerberstrasse und zum Umgang mit Neonazis. Ebenfalls wollen wir uns solidarisch mit den Opfern zeigen, die von den Neonazis angegriffen und bedroht wurden!

Zum Übergriff in der Gerberstrasse:

Heute am frühen Morgen betraten zwei nicht als der rechten Gesinnung zu erkennende Personen die Bar in der Gerber 3 und bestellten Getränke. Kurz darauf wurden von diesen Personen unbemerkt, trotz eigentlich schon geschlossener Tür, noch weitere drei Personen in die Bar der Gerber gelassen. Nachdem einige dieser Personen ihre Jacken ablegten, wurden sofort Thor Steinar Labels sichtbar. Darauf wurden die Personen sofort des Hauses verwiesen. Um die Lage zu deeskalieren wurde sich friedlich verhalten. Darauf hin fingen die besagten Personen an die Sanitärenanlagen zu beschädigen und einen der afrikanisch stämmigen Gäste zu beschimpfen. Die noch anwesenden Gäste beschlossen sofort die nun offensichtlich erkenntlichen Nazis des Hauses zu verweisen.

Diese weigerten sich jedoch das Haus zu verlassen und es kam von Seiten der Nazis zu Handgreiflichkeiten, dabei wurde dem afrikanisch stämmigen Gast eine leere Flasche ins Gesicht geschlagen und dieser erlitt schwere Schnittwunden.

Nach einiger Zeit traff die Weimarer Polizei ein (die nicht vom Haus gerufen wurde). Als vier von den Nazis von der Polizei gestellt wurden, es auch einen verletzten Gast gab und zusätzlich der eigentliche Täter der Gruppe schon geflüchtet war, wurde beschlossen mit der Polizei zu kooperieren.

Der verletzte Gast wurde mit Schnittwunden von Sanitätern ins Krankenhaus gefahren. Kurze Zeit später wurde bei der Behandlung des Verletzten im Krankenhaus, das Arztzimmer aufgerissen und der Geschädigte weiter von zwei beteiligten Nazis bedroht. Beim verlassen des Krankenhauses kam es zu weiteren Handgreiflichkeiten gegenüber des Geschädigten.

Die widerum dort eintreffende Polizei erwies sich als nicht weiter hilfreich, und befasste sich garnicht mit den Nazis, sondern verwies nur den Geschädigten des Krankenhauses, ohne ihm trotz eingehender Bitte, Schutz zu gewährleisten. Als Antwort bekam er nur, dass die Polizei kein Taxiservice wäre. Schon bei der Vernahme der Täter, ist es Seitens einer der Polizeibeamten u.a. zu Aussagen ‚‘Was war jetzt mit dem Neger'‘ gekommen. Auch im weiteren Verlauf der Nacht mussten sich gehende Gäste weiteren massiven Repressionen von Weimarer Polizeibeamten aussetzen. Wir als Gerber-Kollektiv, werden uns auch weiterhin rigoros gegen Rassismus und Faschismus einzusetzten. Wir rufen alle dazu auf, solch inhummane und menschenverachtende Einstellungen in jeglicher Form zu bekämpfen!!!

+ + + FCK NAZIS! FIGHT RASSISM! + + +

Quelle

Zu den Übergriffen in Weimar und im C-Keller:

Am Wochenende vom 24. bis 26. Januar kam es in Weimar zu mehreren Naziübergriffen. Wie NutzerInnen und BetreiberInnen der „Wunderbar“ in der Gerberstraße 3 in Weimar berichtet haben, kam es in der Nacht vom 24. zum 25. Januar 2014 zu rassistischen Übergriffen durch mehrere Neonazis. Die fünf Personen, die zunächst nicht als Neonazis zu erkennen waren, hatten kurz vor Ausschankschluss die Kneipe in der Gerberstraße 3 betreten. Als ein Teil der Gruppe dabei gesehen wurde, wie sie die sanitären Anlagen beschädigte und auf der Kleidung einer der Personen der Schriftzug der in der rechtsradikalen Szene beliebten Modemarke „Thor Steinar“ erkannt wurde, wurden die fünf Personen vom Barpersonal und anwesenden Gästen des Hauses verwiesen. Dies erwiderten die Neonazis durch körperliche Bedrohungen und Übergriffe. Besonders schwer traf es dabei einen dunkelhäutigen Gast, den die Neonazis rassistisch beleidigten („du scheiß Nigger“) und ihm eine Glasflasche ins Gesicht schlugen, wodurch die Person schwere Schnittwunden im Gesicht erhielt. Als sich die betroffene Person wehrte und ihm dabei auch mehrere Gäste der „Wunderbar“ zur Hilfe kamen, entwickelte sich ein Handgemenge.

Als die Polizei vor der Geberstraße 3 eintraf, die von Unbekannten gerufen worden war, beruhigte sich die Situation zunächst – vier der Neonazis konnten gestellt werden, der eigentliche Täter konnte jedoch fliehen. Wie die BeitreiberInnen der „Wunderbar“ auf ihrer Facebook-Seite mitgeteilt haben, kam es dann jedoch im Krankenhaus zu weiteren Übergriffen auf den bereits Geschädigten. Da auch drei der Neonazis in die Notaufnahme gebracht worden waren, kam es in der Hufelandklinik zu einer erneuten Begegnung, bei der die Neonazis den Betroffenen wieder rassistisch beleidigten. Auf dem Gang kam es dann zu weiteren Handgreiflichkeiten. Die hier eintreffende Polizei reagierte nicht nur unsensibel, indem sie den Geschädigten des Geländes verwies und der Bitte nach Schutz nicht nachkam („wir sind doch keine Taxi-Zentrale“), sondern es sollen laut den Angaben der Gerberstraße 3 auch von Seiten der Polizisten rassistische Äußerungen gemacht worden sein.

In einem TLZ-Artikel vom 27.01.2014 wird die Weimarer Polizei mit der Aussage zitiert, dass es in der „Wunderbar“ zu wechselseitigen Körperverletzungen gekommen sei. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, wie unsensibel die Polizei mit dem Vorfall umgeht – als ob nicht einerseits die rassistische Motivation seitens der Neonazis endeutig gewesen wäre, als ob andererseits nicht klar wäre, dass Nazis auf Gewalt kalkulieren, wenn sie sich Zutritt zur Gerberstraße verschaffen, die für sie ein Feindbild ist. Wenn von „wechselseitigen Körperverletzungen“ die Rede ist, suggeriert dies nicht zuletzt, dass Notwehr in einer Gefahrensituation illegitim sei.

Das Wochenende in Weimar war mit diesem Vorfall jedoch noch nicht vorbei. Auch in der Nacht vom 25. zum 26. Januar kam es zu Auseinandersetzungen mit Nazis. Als der C-Keller schließen wollte und sich die Nazis auf dem Weg nach Hause befanden, kam es auf dem Flur zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit einem Gast, den die Nazis zuvor geschubst und beschimpft hatten. Zahlreichen Gästen gelang es, die Neonazis nach draußen zu drängen – währenddessen äußerten diese aggressive, zum Teil homophobe Beschimpfungen. Augenzeugenberichten zufolge, soll einer der Nazis einen Hitlergruß gemacht haben. Als die Polizei eintraf, beobachtete diese das Geschehen, das sich nun auf den Marktplatz verlagert hatte, und begleitete die Neonazis zuletzt zum Hauptbahnhof.

Nachdem es in Weimar seit einiger Zeit einigermaßen ruhig gewesen ist, sprechen die geschilderten Vorfälle dafür, dass Neonazis erneut gezielt Auseinandersetzungen suchen und ein Klima der Angst schaffen wollen. Es muss verhindert werden, dass Neonazis Kneipen, Bars und Cafés als Feld für ihre Auseinandersetzungen nutzen können. Deshalb ist es wichtig, dass Nazis, wenn sie erkannt werden, sofort – und nicht erst nachdem sie tätlich auffallen – der Räumlichkeit verwiesen werden. Wer anders handelt, nimmt Übergriffe in Kauf.

Quelle

Kritik der Autonomen Antifa Weimar:

Nazi Übergriff(e) in Weimar

Am ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de ist es in Wei­mar zu min­des­tens einem Über­griff von Neo­na­zis ge­kom­men. Me­dien­be­rich­ten und einer Stel­lung­nah­me zu­fol­ge kam es in der Nacht von 24. auf 25. Ja­nu­ar zu einem ras­sis­ti­schen Über­griff in der Ger­ber­stra­ße 3. Dabei sol­len fünf, nicht näher be­kann­te, Nazis einen Men­schen nicht wei­ßer Haut­far­be mit einer Fla­sche ge­schla­gen haben. Der Zei­tungs­ar­ti­kel sowie die Stel­lung­nah­me sind hier zu lesen: http://​www.​tlz.​de/​startseite/​detail/​-/​specific/​Scheiss-Nigger-Randale-in-Weimar-enden-im-Krankenhaus-418640874 und https://​linksunten.​indymedia.​org/​de/​node/​104507 Un­se­re un­ein­ge­schränk­te So­li­da­ri­tät gilt dem Opfer. Gerne sind wir be­reit ihn zu un­ter­stüt­zen.
Am dar­auf­fol­gen­den Abend kam es im C.​Keller Wei­mar zu einer wei­te­ren Aus­ein­an­der­set­zung mit Neo­na­zis: https://​linksunten.​indymedia.​org/​de/​node/​104617

Wir sehen uns ge­zwun­gen ei­ni­ge Punk­te zu die­sen Über­grif­fen hin­zu­zu­fü­gen. Damit wol­len wir in keins­ter Weise die Taten re­la­ti­vie­ren und das Opfer in den Hin­ter­grund stel­len. Es geht uns darum, sol­che Taten in Zu­kunft zu ver­hin­dern und prä­ven­tiv gegen sol­che Ak­ti­vi­tä­ten vor­zu­ge­hen.
In den letz­ten Jah­ren stan­den wir als Grup­pe immer mal wie­der mit den bei­den Knei­pen Ger­ber­stra­ße 3 sowie C.​Keller/Markt 21 im Kon­takt. Dabei ging es immer darum, dass wir als AAG­Wei­mar den Um­gang mit Neo­na­zis oder rechts of­fe­nen Per­so­nen kri­ti­sier­ten. Die Na­zi­ak­ti­vi­tä­ten sind in den letz­ten Jah­ren zwar durch kon­se­quen­tes an­ti­fa­schis­ti­sches Ein­grei­fen stark zu­rück­ge­gan­gen, aber die Szene ist wei­ter­hin aktiv. Lei­der gab es von bei­den Sei­ten ent­we­der gar kein Be­kennt­nis oder keine ein­deu­ti­ge Stel­lung­nah­me. So er­fuh­ren wir, dass sich an einem Abend Ende 2012 wohl meh­re­re Neo­na­zis in der Ger­ber­stra­ße 3 auf­hiel­ten. Um diese In­for­ma­ti­on zu be­stä­ti­gen und mehr dar­über zu er­fah­ren, schrie­ben wir dem Haus eine Mail, in der wir um Auf­klä­rung des da­ma­li­gen Vor­falls sowie einen Plan zur Ver­hin­de­rung ähn­li­cher Vor­komm­nis­se in Zu­kunft baten. Lei­der er­hiel­ten wir nie eine Ant­wort. Die Kri­tik an dem Haus Ger­ber­stra­ße 1 und 3 ist aber nicht nur an die­sem Bei­spiel fest­zu­ma­chen. Min­des­tens eine uns be­kann­te Per­son aus der Ger­ber­stra­ße 3 mach­te Aus­sa­gen bei der Po­li­zei, dies steht aus un­se­rer Sicht im kras­sen Wi­der­spruch zu lin­ker Po­li­tik und allen Grund­sät­zen für die es ein­zu­tre­ten gilt. Des wei­te­ren ver­an­stal­tet das Haus seit Jah­ren un­po­li­ti­sche Fei­ern, an denen dann auch gerne mal rechts of­fe­ne Per­so­nen den Tür­schutz über­neh­men. Die Be­die­nung und Ak­zep­tanz von Nazis im an­geb­li­chen links po­li­ti­schen Frei­raum Ger­ber­stra­ße ist schon län­ger be­kannt. Auf­merk­sam­keit er­langt sie lei­der nicht mehr über po­li­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen, Vor­trä­ge, Ak­tio­nen. Da­durch ist es für uns auch kein po­li­ti­scher Frei­raum mehr, son­dern eine Knei­pe, wie jede an­de­re. Dass sich die Ger­ber nun als ak­ti­ves po­li­ti­sches Ele­ment der lin­ken Szene Wei­mars in­sze­niert, ist dem Opfer und allen durch ras­sis­ti­sche Ge­walt ver­letz­ten Men­schen ge­gen­über eine Farce. Wer mit Bul­len ko­ope­riert und wer Nazis, ho­mo­pho­be, rechts ge­rich­te­te und an­ti­se­mi­ti­sche Men­schen in sei­nen Räu­men zu­lässt, ist kaum ernst­zu­neh­men.
Am 27. Juli 2012 hat­ten wir Kon­takt mit dem C.​Keller/Ver­ein Markt 21 e.V, auch hier gab es In­for­ma­tio­nen, dass sich immer wie­der be­kann­te Neo­na­zis (z.B. Chris­ti­an Pohl­mann, Leute mit Thor Stei­nar Klei­dung etc.) in den Räum­lich­kei­ten auf­hal­ten. Der Ver­ein zeig­te sich zwar in­ter­es­siert daran als Kon­se­quenz der da­ma­li­gen Vor­komm­nis­se etwas zu än­dern, doch es blieb al­lein bei Lip­pen­be­kennt­nis­sen.

Damit kom­men jene Über­grif­fe der letz­ten Woche kei­nes­wegs aus hei­te­rem Him­mel, son­dern sind Kon­se­quenz feh­len­der Be­kennt­nis­se gegen Nazis sowie einem ent­spre­chen­dem Han­deln. Die von uns ge­äu­ßer­te Kri­tik soll­te jeden Men­schen in Wei­mar klar ma­chen, dass es in Wei­mar kei­nen po­li­ti­schen Frei­raum mehr gibt bzw. keine ein­zi­ge Knei­pe be­reit ist, sich klar gegen Neo­na­zis zu be­ken­nen. Si­cher­lich wären man­che be­reit gegen Se­xis­mus, Ras­sis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus Po­si­ti­on zu be­zie­hen. Doch das ist nichts wert, wenn aus sol­chen Po­si­tio­nen kein kon­se­quen­tes Han­deln re­sul­tiert. Viel­leicht sind die Er­eig­nis­se der letz­ten Tage ja für die eine oder an­de­re Lo­ka­li­tät Grund genug sich kla­rer zu po­si­tio­nie­ren und auch dem ent­spre­chend zu han­deln.

An­sons­ten gilt es wohl in Wei­mar wie­der für linke po­li­ti­sche Frei­räu­me ein­zu­ste­hen und zu kämp­fen – jede Woche und jeden Tag.

Good night white pride and still not lo­ving po­li­ce!

Quelle