Merkers: Das war das „Rock am Berg“ Festival

Am vergangenem Wochenende war Thüringenpunk zu Gast in Merkers. Grund dafür war jedoch nicht das bekannte Bergwerk des beschaulichen Örtchens, sondern das Festival „Rock am Berg“, welches nun bereits zum neunten Mal stattfinden sollte. Bereits im Vorfeld wurde Kontakt zu den VeranstalterInnen aufgenommen, um ein Interview mit ihnen zu führen. Dieses könnt ihr ebenfalls hier nachlesen, aber kommen wir nun zum Konzertbericht:

Nach gefühlten 3 Stunden Fahrt, welche großteils über die Landstraße führte, war man endlich angekommen. Die Zelte waren rasch aufgebaut und die ersten Bier gingen schnell rein. Mit etwas Verzögerung (durch den Aufbau und kleinere technische Schwierigkeiten bedingt) begann „Human -T- Error“ das Festival zu eröffnen. Obwohl hier noch nicht so viele Leute da waren, legten die Langewiesener einen guten Auftritt hin, bevor auf der anderen Bühne „Notgemeinschaft Peter Pan“ zum Tanz baten. Die Hamburger Combo hatte neben ihren Instrumenten auch ihren eigenen „Fanblock“ mitgebracht, der für ordentlich Stimmung auf dem frisch gemähten Rasen sorgte. Bei „Bockbierhagel“ begann die feierwütige Meute aus Punks und Alternativen so langsam das Tanzbein zu schwingen. Amüsant waren vor allem die zwei Leute, die mit Gasmasken vor der Bühne herum gesprungen sind. War lustig anzuschauen. Unschön war jedoch, dass sich eine Person im Pogo verletzte. Trotz Verletzung wurde auf die Zähne gebissen und auch für ihn ging es weiter. Auch zur nächsten Bühne, bei der mittlerweile „Gloomster“ das Waldstadion zum beben brachte. Schöner harter Punkrock mit hörenswerten Texten und Ansagen. Immer wieder schön mitzubekommen, dass es noch jede Menge Bands gibt die sich auch einen Kopf über aktuelle Geschehnisse machen und ihre Gedanken musikalisch mit uns teilen. Wie zuvor „Notgemeinschaft Peter Pan“ hatten auch sie ihren eigenen Fanblock mitgebracht, welcher die Band vor der Bühne tatkräftig unterstützte und dafür auch immer mal das Mikro überlassen bekam. Textsicherheit war auch bei den Fans groß geschrieben. Inhaltlich prangerten „Gloomster“ die deutschen Zustände wie zum Beispiel die rigerose Abschiebepolitik an und bezogen sich positiv auf besetzte Häuser und Menschen, die sich gegen die alltäglichen Unzumutbarkeiten auflehnen. Im Anschluss daran spielten die „Crushing Caspers“ aus Rostock, die wie gewohnt schön hardcorelastig unterwegs waren. Schade, dass es bei dem Auftritt immer mal wieder zum Zusammenbruch der Stromversorgung kam. Verständlich, dass der Sänger darüber nicht gerade begeistert war. Wir haben uns dann erstmal zurück in den Backstage verzogen und schön Bohnen mit Speck gegessen. Auch bei den Reggea-Hools von „The Offenders“, welche letztes Jahr noch in China auf Tour war, kam es leider immer wieder zu Stromausfall, obwohl die diesmal zwar zum Teil vor Ort waren, aber gar nicht gespielt haben. Zeitweise spielte bedingt durch die technischen Pannen auch gar keine Band, was bei einigen Leuten für Verwirrung sorgte.
Nachdem man das Problem teils, aber nicht vollständig im Griff hatte, begannen „Mutabor“ die Bühne zu betreten. Wir entschlossen uns jedoch erst mal unseren Biernachschub zu sichern. Nach unserer Bierpause spielten „Heiter bis Wolkig“. Naja als spielen kann man es nicht bezeichnen, da sie einfach die Tracks ihrer CDs abspielten und dazu sangen. Im Hintergrund des Auftritts lies man Videos von „Anonymous“ laufen und HBW solidarisierte sich mit Russland im Konflikt mit der Ukraine. Als sie mit Sprüchen provozierten und mit einem Lied für die deutsche Fußballnationalmannschaft, welches sich auch gegen Hollland richtete, begannen, flogen auch mal (berechtigter Weise) böse Worte und Bierbecher aus dem Publikum. Man machte sich aus Sicht von HBW vermutlich eher einen Witz aus dem Auftritt. So, den ersten Tag hatten wir überlebt.

Am Samstag entschlossen wir uns mal über den Zeltplatz zu schlendern und machten anschließend einen Abstecher zum Zeltplatz für Wohnwagen, welcher etwas abgelegener lag. Hier wurden wir von netten Menschen mit Bier empfangen und man diskutierte wegen unterschiedlichen Ansichten kurz über verschiedene Themen wie Kuba, Che Guevara, Revolutionen und so weiter. Als wir mitbekamen dass mittlerweile „Karla Heinz und die durchgeknallten Brandstifter_innen“ spielten, entschloss man sich zurück zum Festivalgelände zu laufen. Einen super Auftritt legten die drei hin. Vor allem die Cover-Version „Bullenwagen klauen und die Innenstadt demolieren“ war richtig schön anzuhören. Zu den nachfolgenden Bands „Léf“ und „Simon&Jan“ kann leider nichts gesagt werden, weil wir sie verpasst haben. Aber vor allem „Simon&Jan“ scheinen bei den Veranstaltern eine Menge Respekt zu genießen. Zinnschauer, der unter anderen auch Gitarrist bei „Trouble Orchestra“ ist, machte mit seinem Solo-Projekt ein guten Auftritt und zeigte sein Können am Instrument. Während des Auftritts konnte man nette Gespräche mit den Leuten von „Karla Heinz und die durchgeknallten Brandstifter_innen“ führen. Ganz nette Menschen, das muss man schon sagen. Zwischenduch spielte auch noch „Fat Belly“, deren Auftritt aber verpasst wurde. Das persönliche Highlight des Tages stellte „Trouble Orchestra“, eine punkige Antifa-Hip-Hop Kombo, die sich aus den verschiedensten Künstern zusammensetzte, dar. Vor der Bühne waren eine Antifa-Fahne und viele begeisterte Menschen zu sehen. Folgen sollte „Captain Planet“ aus Hamburg, welche mit Punkrock like Bad Religion ihr Bestes gaben.
Eine alte Punkband hat ebenfalls den Weg nach Merkers gefunden. Leider heutzutage ohne den großartigen Konrad K. unterwegs, der 2006 an einem Herzinfarkt verstarb. Die Rede ist von den „Abgestürzten Brieftauben“, die seit geraumer Zeit wieder Ontour sind. Dass sie als Hochkaräter auf dem Festival gehandelt wurden, zeigten das große anwesende Publikum.
„Ivan & The Kremelkrauts“ spielten so eine Mischung aus Polka und Ska. Geschmackssache kann man meinen. Im Anschluss daran betraten endlich die allseits bekannten „Fuckin Faces“ nach mehreren Jahren Pause wieder die Bühne. Nachdem die ersten drei Lieder etwas holprig klangen, fingen sich die drei recht schnell wieder, wurden von Lied zu Lied immer besser und nutzten den durchaus hohen Mitsingfaktor ihrer Lieder gekonnt aus. Die Menge tobte und sang wie erhofft lautstark mit. Ähnlich lief es auch bei „Rantanplan“ ab. Wer dazu nicht das Tanzbein geschwungen hat, hat irgendwas verpasst oder war zu besoffen. Da „No Life Lost“ aufgrund privater Gründe absagen mussten, spielte „Knüppeldicktion“. Eine tolle Show, vor allem als hier zu noch „Notgemeinschaft Peter Pan“ und „Gloomster“ auf die Bühne kamen und die drei Bands gemeinsam von „Ton Steine Scherben“ „Die letzte Schlacht gewinnen wir“ von 1972 gemeinsam sangen. So viele Leute, wie vorher waren aber nun nicht mehr anzutreffen. Die letzte Band, „Sonne Ost“ konnte dann leider von mir, aufgrund einer Mischung aus Alkohl und Müdigkeit, nicht mehr miterlebt werden.

Alles in allem war das „Rock am Berg“ ein tolles und abwechslungsreiches Festival. Viele Leute, die man schon länger nicht mehr gesehen hat, konnte man hier wieder treffen. Auf dem Heimweg bemerkten wir, dann, dass es am Einlass sogar Spültoiletten gab. Lediglich die immer wieder kommenden Stromunterbrechungen und der Lärm beim Abbauen der einen Bühne in der Nacht von Samstag zu Sonntag waren ein wenig nervig. Einige Stände von T-Shirts über Platten und CD’s bis hin zu veganem Essen waren ebenfalls vorhanden. Bedanken müssen wir uns neben dem VeranstalterInnen vor allem bei Human -T- Error, die freundlicherweise einen Platz auf der Gästeliste sowie einen Backstagepass besorgten und wir somit auch einen Blick hinter die Bühne bekommen konnten. Ein großer Dank geht auch an die Polizei, die sich nicht hat blicken lassen. In Thüringen kann es nämlich auch vorkommen, dass die Polizei alle FestivalbesucherInnen kontrolliert und durchsucht - widerlich!


Human -T- Error aus Langewiesen


Notgemeinschaft Peter Pan aus Hamburg


Notgemeinschaft Peter Pan in Ekstase


ein Teil des Publikums


Wir sagen Prost!


Hier gab’s T-Shirts und Platten


Gloomster aus Eisenach


Gloomster im bunten Nebel


Crushing Capers aus Rostock


Crushing Capers aus Rostock


The Offenders


Das Festival Gelände bei Nacht


Mutabor aus Berlin


Mutabor aus Berlin


Heiter bis Wolkig


Heiter bis Wolkig


Der Liedermacher Zinnschauer


Fat Belly aus Hannover


Trouble Orchestra


Das Publikum bei TroubleOrchestra


Captain Planet


Das Festivalgelände tagsüber von oben


Der Zeltplatz – recht überschaubar


Die Abgestürzten Brieftauben aus einiger Entfernung


Die Abgestürzten Brieftauben etwas näher


Die Abgestürzten Brieftauben – einiges los vor der Bühne!


Ivan & The Kremelkrauts aus Trier


Wut, Witz & Widerstand


Die Fuckin Faces aus Hering – gleich um die Ecke!


Rantanplan aus Hamburg

weitere Fotos hier


1 Antwort auf „Merkers: Das war das „Rock am Berg“ Festival“


  1. 1 Interview mit Gloomster « Thüringenpunk Pingback am 14. Januar 2015 um 14:44 Uhr
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