Interview: 20 Jahre „Die Punkroiber“

Im Oktober 2014 werden „Die Punkroiber“ zwei Tage lang mit Livemusik ihr zwanzig jähriges Band Jubiläum im AJZ Banane in Erfurt feiern. Aus diesem Grund haben wir mit dem Punkroiber Lars ein kleines Interview arrangiert.

Hey Lars, seit 1994 macht ihr Musik. Wie kamt ihr dazu selber Musik zu machen?

Jena, Ende 1994. Mein Kumpel Socke hat mich einfach mal auf die erste oder zweite Probe seiner neuen, noch namenlosen Band mitgenommen. „Hier, probier mal zu singen“ – und ich war am Start. Der Name kam dann irgendwann in geselliger Runde dazu. Socke am Bass, Peter an der Gitarre, sein Bruder Bohne an den Drums und ich am Gesang, das waren Punkroiber 1994. Die Motivation Musik zu machen, kam zumindest bei mir aus dem Drang Spaß zu haben und meine Wut auf alles und jeden offen äußern zu können.
Unsere aktuelle Besetzung lautet:

Bohne – Drums, seit 1994 dabei
Lars – Gesang, seit 1994 dabei
Arne – 1. Gitarre, seit 2000 dabei
Coffy – 2. Gitarre, seit 2007 dabei
Jörg – Bass, seit 2008 dabei

Ecke – Bass von 2002-2008 und ewiger Gangmember!

Kannst du dich noch an euren ersten Gig erinnern?

Ja, kann ich. Schrecklich, in Apolda – die Leute verließen den Raum und Socke hat den Bass hingestellt und die Band verlassen. Kein guter Abend. Für ihn rückte dann Stefan am Bass nach.

Das „Oi“ im Bandnamen weist ja klassischer weise schon auf den kulturellen Hintergrund der Band hin.
Welche Bedeutung hatte „oi“ vor zwanzig Jahren für dich und die Band? Wie sieht das heute aus?

Vor 20 Jahren war ich ein junger Skinhead mit enger Bindung zum Punkrock, klassischer Oi waren für mich Infa Riot, The Ejected, Blitz, Angelic Upstarts oder Becks Pistols. Oxymoron waren Götter. Und um diese Neigung klar zu stellen und mich vom Aldipunk-Image vieler damaliger Bands abzugrenzen, musste eben ein „Oi“ in den Bandnamen. Oi stand in dieser Zeit auch für „Punx & Skins united“ und Abgrenzung zu den radikalen politischen Strömungen innerhalb der Punkszene.
Heute deutet das „OI“ in unserem Namen für mich ganz klar auf meine anfänglichen Wurzeln im Oi-Punk der 90′er hin. Es bedeutet auch – trotz des etwas naiven Bandnamens – im Gegensatz zu den vielen anderen Bands mit wohlklingenden Namen einfach mal 20 Jahre durchgehalten zu haben.
Wir wurden in den vielen Jahren nicht immer nett behandelt, ein Oi im Bandnamen klang für viele zu prollig und sie lehnten uns, ohne jemals ein Lied von uns gehört zu haben, generell ab. Viele Punks störte das Oi, viele Skins das Punk im Bandnamen.
Viele, die uns ohne Vorurteile hörten, meinten wir können getrost das Oi aus dem Bandnamen streichen, da wir Punkrock spielen und keinen rumpeligen Oi, den man vielleicht bei diesem Namen erwartet.

Gibt es für euch Bands mit denen ihr früher zusammen Konzerte gespielt habt, mit denen ihr heute nicht mehr die Bühne teilen würdet? Weil diese unter dem Deckmantel von Oi und Punk nationalistische und andere menschenverachtende Einstellungen versuchen zu verbreiten.

Ja, die gibt es. Ich will nicht einmal sagen, dass sie irgendwie nationalistische oder rassistische Einstellungen verbreiten oder selber vertreten, aber sie tolerieren diese auf ihren Konzerten und veröffentlichen Platten auf teils rechten Labels oder spielen Gigs in rechten Läden mit rechten Bands. Das ist nicht unser Ding oder Verständnis von Punkrock.
Wir hatten Mitte der 90′er noch einen gemeinsamen Ursprung und haben uns aber über die Jahre völlig unterschiedlich entwickelt.
Mir wurde z.b. vorgeworfen von der linken Seite völlig vereinnahmt worden zu sein.
Nun denn, dann haben sich die Wege getrennt. United auf Biegen und Brechen muss nicht sein.

Viele Konzerte habt ihr in Thüringen gespielt. Gibt es da vielleicht eins, welches aus deiner persönlichen Sicht oder aus der Sicht der Band ganz besonders war?

Einige Konzerte im AJZ Erfurt, dem Cassa und dem Rosenkeller in Jena. Aber bei ca. 400 gespielten Konzerten kann ich jetzt so auf die Schnelle keine Einzelheiten mehr aus dem Hut zaubern.

Gibt es Thüringer Bands, die du uns empfehlen würdest?

Stromausfall, Missrata, Cafespione, Zwangsräumung, Spoiled Generation, KBR und Sceleton Dance Club, Ocopus Garden, Hacke, Crashed Mandarines , … und viele andere die sich den Arsch abspielen und es verdient haben hier Erwähnung zu finden!

Beim den Aufnahmen von euren Alben, habt ihr mit Wally von Toxoplasma zusammen gearbeitet, wie kam das zustande?

Wir hatten damals nen Kumpel im Hunsrück der uns den Wally dringend empfohlen und den Kontakt hergestellt hat …. Wir ham dann während er Aufnahmen immer beim Wally gewohnt, ham zuammen gehockt, Geschichten ausgetauscht, gekocht, Kaffee gesoffen u.s.w. – ein wirklich angenehmer Zeitgenosse.

In eurem Lied „Schöne Stadt“ lasst ihr euch über Erfurt aus. Ist Erfurt für Leute mit subkulturen Interessen nicht gerade attraktiv? Welche aus Auswirkung hat deiner Meinung nach die Räumung des Besetzten Hauses in Erfurt im Jahr 2009 auf das kulturelle Leben in der Stadt?

Die Zerstörung von Freiräumen ist immer Scheiße. Für die „normalen“ Erfurter war das wahrscheinlich egal. Für die Leute, die politisch aktiv sein wollten, war es ein herber Rückschlag.
Zumal das besetzte Haus für viele Leute in vielerlei Hinsicht eine gute Alternative zum AJZ gewesen ist. Und obwohl ein Gig der Punkroiber wohl im besetzten Haus undenkbar gewesen wäre und ich nicht immer einer Meinung mit einigen Leuten dort war, finde ich es schade, dass man nun dort Schuhe und Katzenfutter kaufen kann und wieder ein Stück selbstbestimmter Wohn- und Kulturraum dem staatlich verordneten Konsumrausch zum Opfer gefallen ist.
„Schöne Stadt“ ist aber ein Lied das auch auf viele andere Städte in Deutschland zutrifft.

Oft habt ihr schon im AJZ Erfurt gespielt, welche Verbindung habt ihr zu diesem bunten Laden?

In den 90′ern war das unser Wohnzimmer. Fast jeden Abend dort und viele Erinnerungen an Konzerte, Diskussionen, Schlägereien, Freundschaften, Gespräche und so weiter …
Das AJZ war der erste Laden, der uns als Band ohne Vorurteile bei sich aufgenommen hat und wir verdanken dem Laden viele unserer besten Konzerte! Und wenn wir momentan mal proben, dann dort!
Arne arbeitet übrigens auch schon einige Jahre dort.

Wie zu Beginn schon erwähnt feiert ihr im Oktober euer Jubiläum im AJZ in Erfurt. Was erwartet die BesucherInnen an diesen beiden Abenden?

Musik von Bands und Leuten die uns über die letzten Jahre begleitet und unterstützt haben, viele alte und neue Gesichter, Freibier, gute Laune, Erinnerungen und eine Punkroiber Set-List mit über 30 Songs aus 20 Jahren!

Es spielt dort auch die Band „High Society“, die stolz auf das Label Grauzone ist. Sie spielten unter anderem mit den RAC-Bands „Discharger“ und „Glory Boys“ 2007 im „Skinhouse Menfis“. Wie steht ihr dazu?

Ich habe von High Society noch nie gehört, dass sie stolz auf das Label „Grauzone“ sind. Ich weiß, dass sie seit langer Zeit Gig-Angebote in dieser Richtung konsequent ablehnen und für den Rest muss ich nachfragen. Wir selbst waren nie in diesem „Skinhouse“ Menfis, weder als Band noch als Einzelperson. Ich weiß aber, dass dort alles von RAC bis Punkrock gespielt hat; manche Bands auch im Unwissen um welchen Club es sich da eigentlich handelt. Die Jungs von High Society sind fest in der Punkrockszene in Dresden verankert und engagieren sich vielseitig. BRN, Chemiefabrik und am besten ist ihr fragt die Jungs zu solchen Sachen selber. Wie gesagt, für uns als Punkroiber wäre ein Gig dort undenkbar gewesen und stand auch nie nur im Entferntesten zur Diskussion.

Möchtest du noch Grüße loswerden?

Nö! Na ja, doch – ein Danke von ganzen Herzen an alle die uns jetzt schon die letzten 20 Jahre begleitet haben und es auch die nächsten 20 tun!

Danke für dieses schöne Interview und viel Spaß auf euer Jubiläumsfeier!