Gotha: Das war der 2. Geburtstag von Thüringenpunk

Zunächst einmal wollen wir allen knapp 180 Leuten danken, die letzten Samstag den Weg nach Gotha ins Juwel gefunden haben. Großer Dank geht vor allem an die Crew vom Juwel, die sich um viele wichtige Dinge wie beispielsweise Technik, vegane Burger und Getränke gekümmert hat. Selbst bei dem Stromausfall wurde versucht das Problem schnellstmöglichst zu beseitigen. Grund für den Stromausfall war ein durchgeflogener FI-Schalter. Weiterer Dank gilt den Leuten am Einlass die u.a. fleißig unsere Flyer am Abend verteilt haben, Radical Print, die unsere T-Shirts druckten und den Antifa-Gruppen Südthüringen für den Infostand. Nicht zu vergessen sind die Bands Amen 81, Haddocks, Kellerasseln, Vlada Ina und die Menschen vom No Border Soundsystem. Wir hoffen an dieser Stelle jeder der Anwesenden hatte an dem Abend mindestens genau so viel Spaß wie wir.

Leider konnte der Vortrag „Rechte Lebenswelten und Grauzone im Punk, Oi und Deutschrock“ nicht wie geplant stattfinden. Grund dafür war, dass die Menschen die diesen Vortrag ausgearbeitet haben uns zwar zugesagt haben, aber leider nicht erschienen sind. Über die Hintergründe können wir aktuell nur spekulieren.
So entschieden wir uns spontan und recht unvorbereitet den Film „Wadim – Tod nach Abschiebung“ zu zeigen. Dieser thematisiert den Suizid eines jungen Flüchtlings in Deutschland, sowie die menschenunwürdige Behandlung von Flüchtlingen und die rassistsiche Abschiebepolitik in der Bundesrepublik. Zwar konnten wir mit dieser Thematik keine Diskussion über regressive Elemente im Punk, Hardcore oder anderen Subkulturen anstoßen wie wir es gerne gemacht hätten, jedoch haben wir mit der Filmvorführung aber trotzdem eine wichtige Problematik ansprechen können. Einen weiteren wichtigen Punkt haben wir mittels Flyer versucht an die Menschen zu bringen. Deshalb wurden am Einlass Flyer verteilt, die unsere Gäste über die kommenden Naziaufmärsche in Saalfeld, Gotha und Erfurt informierte.
Mithilfe unseres Transparents „Love Punkrock – Hate Thüringen“ haben wir nochmals abseits unserer Publikationen klar unseren Standpunkt vertreten und deutlich gemacht, was wir von Lokalpatriotismus und Thüringen halten. Einem Bundesland in dem abgeschoben wird, die kapitalistische Verwertungslogik vollzogen wird und es Nazifestivals wie Sand am Meer gibt, können wir nur unseren Mittelfinger entgegen strecken. Doch kommen wir nun zum Konzert.

Die Vorbereitungen

Als wir so in unserer Thüringenpunk-Zentrale in Lauchheim saßen und mit unseren Eventmangement beschäftigt waren und gebannt auf ein leeres Flip-Chart starrten wurde uns klar, dass wir nach zwei Jahren noch nichts wirklich zu standen bekommen haben. Ein Grund zum Feiern! Also erstmal zu der einzigen Tanke in dem Ort und Bier geholt. (Dass wir aus Erfurt kommen würden, ist eine wilde Behauptung ohne Halt!) Die Gespräche glitten uns leider nach dem 8. Bier ab und so wirklich geschafft, hatten wir nach dem Abend auch nichts. Eines Tages, so Ende Januar packte uns die Lust ein Konzert zum Jubiläum zu organisieren. Ein Anruf aus unserer Zentrale in Lauchheim auf die offizielle Juwel Hotline und nach 20 Minuten Warteschleife konnten wir zumindest ein Datum klar machen. Yeah! Unsere erste Leistung! Nach der harten Arbeit erstmal zur Tanke.
Da es für ein Konzert auch sowas wie Bands braucht und wir keine Kohle hatten (nach dem Konzert im März schwimmen wir übrigens im Geld. Punk! Kommerz! Geil!) mussten wir also erstmal kleine Brötchen backen oder auf 0,33l Bier umsteigen. Was uns aber wichtig war, nicht nur eine Musikrichtung am Start zu haben, sondern unterschiedliche Bands und Genres, wie man im fetten Musikbuisness sagt, mit an Bord zu holen. Mit Vlada Ina, einer Saalfelder Modern Hardcore Band hatten wir eine Hardcore Band am Start. Die 5-köpfige Kombo aus Saalfeld schaffte gleich zu Beginn das Publikum zu begeistern. Mit Haddocks aus Jena den Soundtrack zum Saufen. Drei Wochen zuvor musste die Band ihren Auftritt auf dem Frostpunx-Festival im sächsischen Lugau krankheitsbedingt absagen. Umso erfreulicher war es, dass die Krankheit überstanden war und die Haddocks in alter Frische auf der Bühne stehen konnten. Antifaschist-Oi bezeichnen sie selbst ihre Musik, welche sie durch das Mitbringen einer Antifa-Fahne untermalten. Ein Genre, dass in Thüringen genau so zu einer Rarität zählt, wie Euro-Scheine in unsrem Portemonnaie vor der Veranstaltung.
Mit Kellerasseln aus Erfurt gab es ordentlich Gewammse! Bereits Anfang des Jahres brachten die Punks aus Erfurt ihr neues Album „Mittelmeerromoantik“ heraus, womit die Band ihre Diskographie um eine weitere Platte erweitern konnte.
Neben den drei Bands aus Thüringen sollte noch eine Band die nicht aus Zone kommt spielen. Hochprofessionell schrieben wir alle Bands an die wir kannten, von denen uns aber fast keine geantwortet hat und die Antworten die wir bekamen waren meistens „Wo ist Thüringen? Wir spielen zur Zeit nicht im Ausland.“ Als es fast keine Hoffnung mehr gab, antworteten Amen 81 aus Nürnberg und wussten sogar wo Thüringen liegt! Das Line-Up und die Location stand also und damit hatten wir einen Grund zum Feiern. Erstmal zur Lauchheimer Tanke.

Der Tag selbst

Mit unserem privatem Helicopter flogen wir direkt von Lauchheim nach Gotha ein und landeten episch nach einem Fallschirmsprung im Garten vom Juwel, hat bloß keine mitbekommen. Schade, war aber geil. Zurück zur Sache.
Bereits gegen Nachmittag erlaubten wir uns einen neckischen Witz und verbeiteten das Gerücht, es würd nur Oettinger Bier geben, in der heimlichen Hoffnung, wir würden für die Werbung Geld von Oettinger bekommen. Wurde leider nichts daraus. Voller Ungewissheit und Bier warteten wir auf die Leute für den Vortrag ‚Rechte Lebenswelten und Grauzone im Punk, Oi und Deutschrock“. Leider kamen die Menschen nicht und haben uns nicht bescheid gegeben. Wir vermuten, dass sie entweder Thüringen nicht gefunden oder das Passwort für ihre Mailadresse vergessen haben. So genau wissen wir es aber nicht. Leider ist es nicht immer wie bei X-Factor, dass das Mysteriöse aufgeklärt wird.
Da wir auf alle Eventualitäten vorbereitet waren, zumindest behaupten wir das jetzt einfach mal, hatten wir ein alternatives Programm in der Hinterhand zu dem sich rund ein Dutzend Menschen versammelten.
Bereits kurz vor Einlass waren schon Leute da und wollten sich an die Bar gesellen. Zum Glück hatten wir in einem Seminar zu „Outsourcing“ gelernt, dass man alle Aufgaben abgeben kann und danach nur noch beschäftigt aussehen muss. So fanden sich Leute die den Einlass übernahmen, die Bar schmissen, die Technik organisierten und die Leute mit Burgern und Infokram eindeckten.
Aus irgend einem Grund behaupteten Leute, dass Amen 81 nicht spielen würden, was sich spätestens bei deren Ankunft nicht bestätigte. Wie Leute zu dem Schluss kommen ist uns schleierhaft.
Gegen 21:32 Uhr Gotha Ortszeit wurde das Konzert von Vlada Ina vor bereits gut gefülltem Haus eröffnet:


Den Anfang machten Vlada Ina aus Saalfeld,


die sich im Frühjahr 2014 gründeten


und mit Modern Hardcore überzeugten.


Aktuell hat die Band Anfang des Jahres einen Demo-Song ‚Step Beyond‘ raus gebracht,


den ihr euch auf YouTube anhören könnt


und bereits live einige Leute zur Bewegung vor der Bühne animierte.


Nach einer klaren Hardcore-Kante folgte Streetpunk aus Jena


den die Haddocks aus Pakett legten


und damit zum Pogo einluden.


Die Band spielte erst vor ein paar Monaten zusammen mit Los Fastidios


und teilten sich die Bühne schon mit Feine Sahne Fischfilet und Stage Bottles.


Diese Bühnenerfahrung kam der Show an dem Abend zu Gute,


die mit einer perfekten Lichtshow für die geeignete Stimmung sorgte.


Auch wenn einige mit skeptischen Blick auf eine Skinhead-Band schauten,


haben Haddocks gezeigt, dass es auch noch guten Streetpunk/Oi gibt


abseits von schlichten Saufparolen und ‚Dicke-Eier-Attitüde‘


Die Stimmung vor der Bühne war gut,


was wohl an Bands und Alkohol lag


und wann kann man das von einem Punkkonzert behaupen, dass es auch and den Bands lag?! ;-)


Mit den Kellerasseln aus Erfurt kam eine Band, die seit vielen Jahren auf den Bühnen herum asselt (höhö)


und mit ihrem agressiven Gedrescher und ihrer ‚Punk not Rock‘ Einstellung auf keinen Fall an dem Abend fehlen durften.


‚Stick the finger to Thüringen‘ oder eben zu Amen 81,


die als letzte Band vor versammelter Meute spielten.


Mit einem Mix aus den alten Songs wie ‚Schiess doch‘ oder ‚Ich will Atomkrieg‘


oder Songs vom frischen Album ‚Le Grand Tour De Passe-Passe‘


in Gotha feierte man die Lieder


bis später einfach das Licht ausging.


Aber bis dahin lieferte Amen 81 ab


bis zur Zugabe als der Special-Effekt einer heraus geflogenen Sicherung das Konzert beendete.


Aber Zugaben sind eh nicht Punkrock.


Der am Einlass verteilte Flyer zu den kommenden Naziaufmärschen

Nach dem Konzert

Tatsächlich gab es eine Sache auf die wir nicht so recht vorbereitet waren; plötzlich eintretende Dunkelheit. Ein paar Leute aus dem Publikum riefen noch ein paar Liedwünsche in Richtung Band, doch vorerst war nichts zu machen außer lässig am Bier zu nippen und auf die Erleuchtung zu warten. Glücklicherweise haben die Menschen von der Technik schnell reagiert und für die Aftershow-Party nochmal ordentlich auf die Tube gedrückt und es konnte zu den Beats vom No Border Soundsystem weiter gehen, auch wenn ein Großteil der Leute in der Zeit zwischen Stromausfall und Aftershow bereits gegangen waren. Gelohnt hat es sich auf alle Fälle für die Hängengebliebenen (in vielerlei Hinsicht).
Nun nachdem das Konzert und die Resonanz uns wirklich positiv überrascht hat, können wir sagen das sich der ganze Stress gelohnt hat!
Von den fetten Einnahmen die wir gemacht haben, konnten wir die Kosten decken, den Bands den Mindestlohn von 8,50 € zahlen und dem Juwel eine Spende für den Baumonat geben. (schließlich haben wir die Bude an dem Abend ja auch verwüstet) Jetzt schwimmen wir im Geld und schreiben diesen Artikel in der neuen Thüringenpunk-Zentrale auf den Bahamas und schlürfen literweise Champagner.
Wenn wir bis März 2016 bereits die ganze Kohle versoffen haben, brauchen wir wieder eure Hilfe bei 3 Jahren Thüringenpunk. Bis dahin:


Erstes exclusives Foto von einem Thüringenpunk-Yuppie


1 Antwort auf „Gotha: Das war der 2. Geburtstag von Thüringenpunk“


  1. 1 Saalfeld – 23 Jahre SB1 wurden gebührend gefeiert « Thüringenpunk Pingback am 12. Mai 2015 um 15:04 Uhr
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