Thüringenpunk http://thueringenpunk.blogsport.de Hier findet ihr verschiedenste Beiträge zu Punkrock in Thüringen. Aktuelle Konzerte und andere Veranstaltungen sind ebenfalls auf dem Blog zu finden! Sat, 14 Oct 2017 11:16:52 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Interview mit dem „Proud to be Punk“ Magazine http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/10/14/interview-mit-dem-proud-to-be-punk-magazine-2/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/10/14/interview-mit-dem-proud-to-be-punk-magazine-2/#comments Sat, 14 Oct 2017 09:48:54 +0000 Administrator Interviews http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/10/14/interview-mit-dem-proud-to-be-punk-magazine-2/ Eigentlich war es ja immer so, dass wir fragen und andere antworten. In der Vergangenheit führten wir zahlreiche Interviews mit Bands, Einzelpersonen aus der Provinz und Initiativen. Das wollte Jan vom vom „Proud to be Punk“-Magazine nicht so stehen lassen und drehte den Spieß mit den Interviews mal einfach mal um und hat uns ein paar Fragen gestellt hat. Wer es bisher immer noch nicht geschafft hat, sich die Zeitschrift zu besorgen, kann das Interview nun auch hier bei uns auf dem Blog lesen.

Jan: Seid gegrüßt! Schön, dass ihr euch die Zeit nehmt, meine Fragen zu beantworten. Zu Beginn wäre es schön, wenn ihr euch und euren Blog erst einmal kurz vorstellen würdet. Worum handelt es sich bei Thüringenpunkt und wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen?

Hallo Jan, erst einmal vielen Dank für die Interviewanfrage. Sonst sind wir eigentlich die, die Fragen stellen. Deshalb freuen wir uns sehr auch mal interviewt zu werden. Das Projekt Thüringenpunk entstand im Frühjahr 2013. Angedacht war es zunächst einen Konzertkalender für die Region Thüringen zu erstellen. Diese Übersicht sollte es Punks und Linken ermöglichen eine Übersicht der angebotenen Konzerte und Veranstaltungen zu geben. Oft wusste man damals gar nicht, wo überall Konzerte stattfinden. In Thüringen ist man schließlich in der Provinz und es hängen nicht an jeder Ecke Plakate. Vor allem für Menschen, die nicht so sehr auf soziale Medien vertrauten, wollten wir eine Übersicht über die Veranstaltungen geben. Nach kurzer Zeit konnte festgestellt werden, dass das Projekt gut ankam und es wurde überlegt, mit welchen Inhalten der Blog erweitert werden kann. Kurz darauf kam die Ideen Bands zu interviewen und auch Konzertberichte zu veröffentlichen. Auch dachten wir zunächst an eine Art Kommunikationsplattform für Bands, Konzertveranstalter und alle die irgendwas mit Punk in Thüringen zutun haben.

Jan: Euer Blog dient u.a. als Terminkalender für Punk- wie auch Hardcore-Konzerte und Artverwandtes im Raum Thüringen. Inwiefern sichtet ihr die Konzerthinweise, die bei euch eingehen, um nicht Gefahr zu laufen, Veranstaltungen mit fragwürdigen Bands zu bewerben?

Konzerthinweise kommen leider nicht ganz so viele an. Meist sind es die selben Menschen, die unser Kontaktformular nutzen, um uns Konzerte zukommen zu lassen. An diese Personen erst einmal ein großes Dankeschön an dieser Stelle!
Das ist gar nicht so einfach, schließlich wollen wir keine Bands oder Konzerte bewerben, die irgendeine menschenverachtende Scheiße von sich geben und dumme sexistische Prolls sind. Da wir aber nicht jede Band, ihre Texte und Statements kennen müssen wir oftmals auf die vertrauen die Konzerte organisieren. Wenn die Crew, die seit Jahren korrekte Sachen macht, ein Konzert auf die Beine stellt, dann vertrauen wir den Leuten einfach, da wir wissen sie sind mit uns auf einer Wellenlänge. Natürlich klappt das nicht immer. Bei einigen Locations haben wir aufgehört Veranstaltungen zu bewerben, z.B. weil dort solche Idioten wie Trabireiter etc. aufgetreten sind, bei anderen bewerben wir einzelne Veranstaltungen nicht, da es meist Projekte sind, die nicht homogen sind. Wir hatten auch schon Konzerte beworben, bei denen wir ein paar Tage nach dem Eintrag im Kalender plötzlich Mails kamen, die uns aufgeklärt haben was das überhaupt ist. Das flog von der Seite und auf Facebook gab‘s ein kleines Statement warum das so ist. Solche Hinweise sind wichtig, Thüringenpunk lebt eben nicht nur von den pickeligen Admins am PC, sondern auch von den pickeligen Punx vor ihren Rechnern, die das als gemeinsames Projekt verstehen.

Jan: Schön war es immer, als es uns vor einigen Jahren hin und wieder ins Besetzte Haus nach Erfurt verschlagen hat, in dem viele geile Konzerte in angenehmer Atmosphäre stattgefunden haben. Tja, dank einer sehr martialisch abgelaufenen Räumung ist das Besetzte Haus mittlerweile leider Geschichte. Welche Konzertorte in Thüringen würdet ihr all denjenigen empfehlen, die es bislang noch nicht in dieses Bundesland verschlagen hat?

Ja, leider ist das Besetze Haus Erfurt seit 2009 Geschichte und somit ein wichtiger Ort für alternative Subkultur und Freiraum weggefallen. In Thüringen gibt es trotzdem noch ein paar Orte, wo es sich lohnt hinzugehen. Zu nennen sei hier die Gerberstraße 3 in Weimar, wo eigentlich regelmäßig richtig geile Konzerte veranstaltet werden. Empfehlenswert sind dazu auch die Leute von Trvefrykt-Booking, die in vielerlei Hinsicht geilen Scheiß für wenig Geld auf die Beine stellen und das fast jede Woche. Dazu sind das auch noch korrekte Leute. Diesen ganzen Metallkram verstehen wir zwar nicht, aber ihre Punk und Hardcore Sachen sind immer eine Reise wert! Auch im Juwel in Gotha finden nach den Bauwochen, bei denen wir übrigens mit einem Vorschlaghammer ein Wand einreisen durften, im vergangen Jahr wieder fette Konzerte statt. Ansonsten ist das „Rotzfrech“ in Gera noch ein Geheimtipp und wir würden jeden einen Ausflug nach Saalfeld in den Schloßberg 1 empfehlen. Bis vor kurzem hätten wir auch auch noch das „Grüne Haus“ in Suhl empfohlen. Es war eines der wenigen Projekte im südlichen Teil Thüringens, an denen regelmäßig Konzerte stattfanden. Nachdem sich der dortige Verein während einer Mitgliederversammlung für die Akzeptanz der so genannten „Grauzone“ ausgesprochen hat, ist das Projekt für uns Geschichte.

Jan: Was würden uns aber all die schönen Konzertlocations nützen, wenn es keine vernünftigen Bands gäbe, die die Wände dieser Räume auch mit Hilfe ihres Krachs ordentlich zum Wackeln bringen würden?! Welche Kapellen aus den Weiten Thüringens zählen hierbei zu euren Favoriten und warum?

So große Weiten gibt es hier gar nicht, aber eine durchaus überschaubare Szene. Große Sympathien von uns liegen weit im Westen. In Eisenach sind Bands wie Gloomster und Fleshhead Attack ziemliche Bretter, klare antifaschistische Linie und ordentlich Gedresche, dass finden wir generell gut! Definitiv empfehlen würde ich noch Kellerasseln aus Erfurt, wer sie noch nicht kennt sollte das dringend nachholen oder sich verpissen. Das gleiche gilt für AbstinenzX, ebenfalls aus Erfurt. Ich würde mich dabei soweit aus dem Fenster lehnen, dass man auf Dauer in Sachen Punk an den beiden Bands in Thüringen nicht vorbeikommen kann.
Ein Verhältnis haben wir auch mit den Sad Neutrino Bitches aus Jena, jetzt ist es quasi offiziell. ;-)

Jan: Laut eures Selbstverständnisses versteht ihr euch als „eine Art Fanzine“. Was macht für euch ein gutes Fanzine aus? Existieren eigentlich noch richtige Fanzines in Thüringen? Mir ist in dieser Hinsicht leider nichts bekannt…

Nein, es existieren keine weiteren Fanzine in Thüringen. Wir sind das einzig wahre Fanzine mit der Garantie die absolute Wahrheit inne zu haben! Spaß bei Seite. In Weimar ist noch das Trvefrykt-Zine, das im Juni 2015 das Licht der Welt erblickt hat. Bei den Leuten geht es aber mehr um Crust, Black-Metal, Doom usw. Sie haben binnen kürzester Zeit eine sehr umfangreiche Website erstellt, auf der die Leserschaft Reviews, Interviews und sämtliche andere News findet. Sonst fällt uns gerade wirklich keins weiter ein.

Jan: Im Rahmen eures Selbstverständnisses schreibt ihr u.a., dass ihr euch gezwungen seht, „zur Not auch mit vermeintlich Gleichgesinnten und überholten Traditionen auch innerhalb der Szene zu brechen“. Welche überholten Traditionen meint ihr hiermit und wie sollte eurer Ansicht nach der Bruch mit eben jenen vollzogen werden?

Wenn es im Punk mittlerweile eines zur Genüge gibt, dann sind das so genannte ‚Traditionen‘, irgendwelche ‚Werte‘ von ‚Zusammenhalt‘, bla bla… Das kann ja schön und gut sein, aber wird oftmals auch ekelig. Zum einen meinen wir damit, dass gerade der ‚Unity‘-Gedanke alle Widersprüche in der Szene überdeckt, wodurch eine Diskussion über das was man da gerade abzieht überhaupt erst möglich wäre. Als Beispiel wäre hierbei eine Diskussion um das AJZ Erfurt zu nennen. In einem Facebook-Post kritisierten wir kurz uns knapp, dass dort OHL auftreten und warum wir die Band scheiße finden. Dazu brachten wir noch an, dass es nicht das erste und auch nicht letzte Konzert mit schrecklichen Bands dort ist. Die Reaktionen waren, dass aus verschiedenen Richtungen nicht skandalisiert wurde, dass solche Bands dort spielen, sondern wie sich jemand erdreisten kann so etwas öffentlich zu kritisieren. Statt über einzelne Kritikpunkte zu streiten, sie von uns auch zurück zuweisen oder überhaupt erst mal Gedanken zu machen, rückte man zusammen denn man hatte ja den gemeinsamen Nestbeschmutzer als Feind. Leider war das dann auch bei Leuten der Fall, bei denen wir das nicht gedacht haben. Aber so kann ein Bruch eben auch funktionieren, indem wir kritisieren, was vermeintlich nicht kritisiert werden darf.

Jan: Unter dem Titel „Das Grauen mit der Grauzone – Ein Versuch“ ist auf eurem Blog wie auch in der sechsten Ausgabe von „Alerta Südthüringen“, einem Infoheft für antifaschistische Kritik und Aktion, ein ausführlicher Essay erschienen, der sich dem ebenso schwierigen wie wichtigen Thema der Grauzone annimmt. Was hat euch dazu bewogen, diesen Text zu verfassen? Zu welchem Ergebnis seid ihr bei eurem „Versuch“ gekommen? Und gab es bislang Reaktionen auf euren Text?

Das Thema Grauzone spielt innerhalb des Punk natürlich schon lange eine wichtige Rolle. Des Weiteren sind schon zahlreiche Texte und Diskussionen zum Thema erschienen, die sich mit der Thematik befassen. Der Ausschlagpunkt für uns war dann die ganze Sache, die sich im ‚Grünen Haus‘ in Suhl‘ zugetragen hat, als ein bekennender Neonazis auf einem dortigen Soli-Konzert anwesend war und die Situation am Abend zugunsten des Neonazis entwickelte. In Folge der teils gewalttätigen Auseinandersetzung wurde im dortigen Projekt das Thema ‚Grauzone‘ aufgegriffen und mehrfach diskutiert. Hierbei wollten wir intervenieren und uns selbst der Thematik etwas annähren. Der Text wurde dann auch in einen Vortrag verpackt, den wir vor unserem Geburtstagkonzert hielten.
Die Reaktionen, auf den Text jetzt bezogen, hielten sich in Grenzen. Hier und da wurde unser Text geteilt, aber eine richtige Reaktion haben wir bisher nicht bekommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Text eigentlich mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.

Jan: In dem bereits erwähnten Essay „Das Grauen mit der Grauzone – Ein Versuch“ bezeichnet ihr euch selbst als „nicht politisch“, was im ersten Moment verwirrend erscheinen mag. Stattdessen bezieht ihr euch auf den Begriff der „Antipolitik“. Könnt ihr erklären, worin der Unterschied zwischen den beiden Begrifflichkeiten besteht und warum ihr euch als „antipolitisch“ seht?

Es ist schwer seitenweise unseres Textes schlüssig herunter zu brechen, aber versuchen wir es mal. Als ‚Antipolitk‘ verstehen wir in dem Sinne, dass was außerhalb von staatlichen Institutionen, Parteien oder ähnlichen elendsverwaltenden staatlich getragenen Reformgruppen geleistet wird. Dementsprechend ist ‚Politik‘ auch immer etwas, dass vom Staat ausgeht und ihn versucht zu reformieren, um die herrschenden Verhältnisse zu reproduzieren. Das kann auch im Bezug auf den Staat bestehen z.B. als Form der Bittstellung an den Staat, wenn eine Bürgerinitiative eine Petition startet etc.. Genau von diesem Geklüngel mit dem Staat und seinen Handlangern wollen wir eben keine ‚Politik‘ machen, sondern wollen dem etwas entgegensetzen. ‚Anti-Politik‘ löst sich eben genau dort von der Politik, wo nur versucht wird, innerhalb der Verhältnisse etwas zu ändern ohne ihre Überwindung anzustreben. Die ‚Anti-Politik‘ soll aufzeigen, dass es eine gewisse Notwendigkeit gibt, die herrschenden Verhältnisse zu überwinden und sie nicht mittels Bittstellungen und Forderungen zu legitimieren. Dass es sich auch hier nur um einen engeren Begriff von Politik handeln soll, ist genau so falsch.

Jan: Weitergehend fordert ihr in dem bereits angesprochenen Text, dass „Punk (…) wieder gefährlich werden“ müsse – eine Forderung, die ich voll und ganz unterstütze. Aber wie können wir es schaffen, genau diese Forderung auch in die Tat umzusetzen?

Indem man sich erst mal klar machen was Punk sein soll. Ob es darum geht sich nur zu besaufen und seine Meinung aus stumpfen Punktexten zu übernehmen; oder ob es darum geht seiner Wut über die gesellschaftlichen Verhältnisse ein Ventil zu geben, weil man merkt, dass man tagtäglich fertiggemacht wird. Das klingt platt, und das ist es auch, aber auch das gehört dazu. Aus dem Bewusstsein kann sich dann auch ableiten was Punk wieder gefährlich macht. Dazu gehört eine kritische Auseinandersetzung mit sich und der Gesellschaft, die über Stammtischgelaber weit hinaus gehen muss. Dazu gehört auch eine Organisierung. Was es konkret bedeutet, ist schwer zu sagen und wird sich zeigen sobald erst einmal der erste Schritt geschafft ist, aber auch davon sind wir noch meilenweit entfernt.

Jan: Laut Medienberichten gilt Thüringen als regelrechte Wohlfühlzone für Neonazis – und das schon seit Jahrzehnten, wie beispielsweise die Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“ belegt. So zählt Thüringen zu jenen Bundesländern, in denen vergleichsweise die meisten Neonazikonzerte stattfinden. Wie gefährlich schätzt ihr die Neonazi-Szene und die von ihr ausgehenden Aktivitäten ein? Sind hierbei bestimmte Tendenzen festzustellen?

Das ist richtig. In Thüringen gab es im Jahr 2016 etwa 50 Neonazikonzerte. Das sind zumindest die, die bekannt geworden sind. Die Konzerte dienen allen voran der Vernetzung, Verfestigung bestehender Strukturen und Beschaffung von Geldern. Vor allem in Kirchheim und Kloster Veßra finden die meisten der Konzerte statt. Die Gelder werden beispielsweise für die Beschaffung von Immobilien oder Finanzierung von Gerichtsverfahren und Anwälten genutzt. Im Februar 2014 wurde beispielsweise eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt überfallen und zahlreiche Menschen verletzt. Aktuell stehen deswegen 14 Neonazis vor Gericht. Hierfür sammelt die rechte Szene , vor allem durch Konzerte in Kirchheim, schon länger Geld. Durch Beschaffung von Häusern ist es ihnen möglich sich immer weiter auszubreiten und eine Art „No-Go-Areas“ zu errichten, in denen es dann schwer fällt eine alternative Subkultur zu entfalten bzw. aufrecht zu erhalten.

Jan: Vielen Dank für eure Antworten. Möchtet ihr abschließend noch etwas sagen?

Klaro, so ein Angebot lassen wir uns nicht entgehen! Wenn uns schon mal jemand interviewt, dann wollen wir auch mal Leute grüßen. Propz gehen raus an: Antifa Suhl/ZM & Arnstadt-Ilmenau als die coolsten Antifas im Großraum Deutschlands, Radical Print als mächtigste Siebdruckmogule im Land, Critical Crisis Concerts aus Jena – irgendwann machen wir bei euch mal Konzertbericht… versprochen!, Grrr & die Rotze in der Wildnis von Gera, Lion Crew – es ist uns jedes Mal ein Fest, SB1 in Saalfeld – auch wenn ihr uns nie auf Mails antwortet ihr Penner!, Open-Air Bitte Sehr – Festival was ihr nicht verpassen solltet, Trvefrykt aus Weimar – wir wissen immer noch nicht wie man euch richtig ausspricht, aber geile Konzerte, Gloomster, SchnapstinenzX, Sad Neutrino Bitches, Human-T-Error, die Garage in Langewiesen, Gülleschiss, Haddocks, Reckless Fight, Southside Kollektiv – geile Fotos, aber wer Clueso hört…, Rote Zora und Markus aus Altenburg und natürlich alle Leute, die wir hier nicht persönlich nennen können, die uns unterstützen, feiern und uns Bier ausschenken oder uns auch zu Konzerten mitnehmen. Auch wenn wir es nie zeigen: Wir finden euch eigentlich alle ganz ok. Cheers!

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In Hamburg geht die Welt unter, in Erfurt hält man sich über Wasser – Punxboottour 2017 http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/07/13/in-hamburg-geht-die-welt-unter-in-erfurt-haelt-man-sich-ueber-wasser-punxboottour-2017/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/07/13/in-hamburg-geht-die-welt-unter-in-erfurt-haelt-man-sich-ueber-wasser-punxboottour-2017/#comments Thu, 13 Jul 2017 09:41:07 +0000 Administrator Fotos Sonstiges http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/07/13/in-hamburg-geht-die-welt-unter-in-erfurt-haelt-man-sich-ueber-wasser-punxboottour-2017/ Es war wieder soweit, Punxboottour über die Gera um Erfurt zu entern! Ein Haufen Freiboiter, Wasserratten und anderer Abschaum aus den Hafenspelunken der Stadt machte sich auf. Zu Beginn stand ein ordentliches Gelage an, mit dabei Kettenfett aus Weimar und Pep im Kühlschrank aus dem goldenen Westen… und natürlich wir um ein paar Eindrück festzuhalten.

Bevor es aber mit den festgehaltenen Eindrücken los geht, noch ein paar kurze Worte zum Angriff der Bullen auf die Punxboottour: All Cops Are Bastards. Mehr gibt es erstmal nicht zu sagen. Jetzt zu den Bildern!


Ein Haufen tollkühne Abenteuerer bereiten sich auf eine Fahrt vor, die Hitze, Bierdurst, wilde Schlachten und diverse Untiefen und Ungeheuer bereithält…


… doch vorher galt es die Rumpullen zu befüllen, dann wieder zu leeren um sie für die Fahrt erneut zu befüllen. Dazu Pep im Kühlschrank…


Die nicht-DDR-sozialisierte Band eröffnete die diesjährige Tour, wie es sich gehört: saufend.


Angezogen vom Krach sammelte sich zähe Crew um die Kapelle…


… schließlich musste man sich ja etwas bewegen!


Egal was passiert, die Dose ist fest umschlossen!


Wie es eine alte Piratentradition ist, mussten Bäuche gepaddelt werden.


Auch die Kunst des Stock-Paddel-Fechten durfte nicht fehlen.


Selbst alte Kriegsbemalungen wurden aufgetragen, bei deren Anblick jedem uniformierte Piratenfänger das Blut in den Adern gefrieren sollte…


… selbst die eigene Crew bestaunte mit Respekt den Tanz.


Während andere noch ihre Schiffe für die Fahrt rüsteten…


… plünderte der Rest die Peffivorräte und paddelten sich durch die Menge.


Spontane Aushilfe an der Gitarre…


… während das grüne Getränk besungen wurde…


… dessen Genuss zu betrunkenen Tumult führte.


Noch bevor es los ging mussten die ersten Verletzten versorgt werden, aber alles halb so wild.


Auf der Bühne wurde derweilen mit atomaren Sprengköpfen aus Nordkorea experimentiert…


… die anders explodierten als gedacht.


Die Benebelten wurden weiter eingenebelt…


… bis Pep im Kühlschrank in einer Wolke verschwand.


Dabei spielte einen Gassenhauer über die Punxboottour selbst…


… mit Text, den man betrunken auch locker beherrscht…


… wie der Engelschor endrucksvoll bewiesen hat!


Schließlich tanzte man um das nordkoreanische Feuer…


… bevor sich die Band verabschieden musste und auf den Stich in See vorbereitete.


Es folgten Kettenfett aus Weimar…


… die sich irgendwo zwischen Punk, Rock‘nRoll, Garage, Baum, Strauch und Gera befanden.


Leider nur mit kurzem Set, denn dem Stromgenerator fehlte plötzlich das Futter.


Aber Abend sollte es im AJZ die nächste Chance geben sich ordentlich mit Kettenfett einzuölen.


Es wurde sich nun startklar gemacht…


… auf ging es in das Abenteur! Die Segel wurden gesetzt, der letzte Schluck Bier getrunken, ein neues Bier geöffnet…


… ohne Plan und Verstand, die Richtung gab die Strömung vor.


Ein kurzer Warnschuss für alle Feinde (die vielleicht im Gesträuch lauerten)…


… mit nicht ganz so wehenden Fahnen war die Crew bereit unterzugehen.


Nach 10 Metern erstmal Pause, Bier und Kippe. Nichts überstürzen.


Betrunkene, Mutige und mutig Betrunkene voran!


Egal mit welchem Gefährt ging es die Gera runter.

Wir haben 2016 versprochen es gibt eine große Thüringenpunkfregatte zur PBT 2017. Wir brechen natürlich kein Versprechen und haben deshalb lange getüfftelt, gebastelt, Seemannsknoten geübt und doch nur Schleifen gemacht, haben den Segelbootsimulator gespielt und uns ein Holzbein zugelegt, sowie einen Papageien dressiert, doch es hat alles nix genutzt. Wir sind einmal falsch abgebogen und steckten fest:


Naja nächstes Jahr wieder!

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Nordhausen/Schleiz: RAC mischt sich mit Oi!-Kultur http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/05/23/nordhausenschleiz-rac-mischt-sich-mit-oi-kultur/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/05/23/nordhausenschleiz-rac-mischt-sich-mit-oi-kultur/#comments Tue, 23 May 2017 08:18:28 +0000 Administrator Konzerte Sonstiges http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/05/23/nordhausenschleiz-rac-mischt-sich-mit-oi-kultur/ Am kommenden Samstag, dem 27. Mai, soll in Schleiz ein Konzert von „Schusterjungs“, „Loichtfeuer“ und „Bird Mountain BootBois“ (BMBB) stattfinden. Dass es sich hierbei um Bands handelt, die teils Kontakte zu rechten RAC-Bands haben, wurde zuletzt in Nordhausen erkannt. Dort wurde nämlich aus diesem Grund ein ähnliches Konzert nach Protesten abgesagt. Wir dokumentieren einen Artikel von „Blick nach rechts“.

RAC mischt sich mit Oi!-Kultur

Mehrere vorgeblich unpolitische Bands mit Affinität ins rechte Lager wollen am kommenden Samstag in Schleiz in Thüringen und eine Woche später bei Leipzig aufspielen.

Die Oi!-Kultur der Skinheads betont stets ihre unpolitische Attitüde. Trotzdem gibt es Bands, die sich von rechten Klängen nicht distanzieren, diese verharmlosen oder sich ihnen sogar hinwenden, hervorgerufen oft durch persönliche Freundschaften unter Musikern. Damit ist dann der musikalischen Einstellung zum rechtsextremen „Rock Against Communism“ (RAC) Tür und Tor geöffnet. Party geht vor Haltung. Mehrere Bands, die sich derart verhalten, sollen zum einen am 27. Mai in Schleiz (Saale-Orla Kreis) und dann am 3. Juni in Elstertrebnitz (bei Leipzig) aufspielen.

Für Auftrittsmöglichkeiten legen etliche Bands hunderte Kilometer zurück. Das trifft auch auf die Musiker von „Loi!chtfeuer“ aus Bremerhaven zu, die sich selbst nach eigenen Angaben sogar in die Punk-Ecke stellen. Sie haben gerade beim Label Subcultural Records aus Memmingen ihren Debüt-Tonträger veröffentlicht. Dort tummeln sich auch einige RAC-Bands, und dadurch erhalten Vorwürfe einer Affinität ins politisch rechte Lager entsprechend Nahrung. Dass ein früherer Auftritt der Combo auch innerhalb des „Blood&Honour“-Netzwerkes beworben wurde, ist mit Sicherheit kein Zufall. Genauso wenig, dass der rechtsextreme Versand von Oldschool Records aus Wolfertschwenden das Album der Band in seinem Sortiment hat.

„Schusterjungs“-Gig am 3. Juni in Elstertrebnitz

Die Bremerhavener wollen mit den „Bird Mountain BootBois“ (BMBB) aus Hessen sowie mit den „Schusterjungs“ aus Weißenfels im thüringischen Schleiz auftreten. Doc Martens-Schuhwerk mit weißen Schnürsenkeln bei BMBB lassen tief blicken, gilt das Detail in der rechten Szene doch auch als Erkennungszeichen und Ausdruck einer Überlegenheit der weißen Rasse. Die Band aus Sachsen-Anhalt spielte bereits mehrfach in Locations, in denen auch Konzerte mit Neonazi- und RAC-Combos stattgefunden haben.

Nach Protesten im thüringischen Nordhausen wurde dort der für den 3. Juni geplante „Schusterjungs“-Gig nebst anderen Bands gecancelt und nunmehr nach Elstertrebnitz verlegt. Dort sollen ebenfalls „The Tenderizers“ aus Belgien sowie „Haircut“ aus Frankreich aufspielen. Die Combo aus Brügge hat bereits mit der Bremer Rechtsrock-Band „Endstufe“ die Bühne geteilt.

Quelle: Blick nach Rechts

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Erfurt: Solikonzert für „Free the three“ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/05/16/erfurt-solikonzert-fuer-free-the-three/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/05/16/erfurt-solikonzert-fuer-free-the-three/#comments Tue, 16 May 2017 06:26:14 +0000 Administrator Konzerte Fotos http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/05/16/erfurt-solikonzert-fuer-free-the-three/ Wir waren mal wieder auf einem Konzert und haben neben einem kleinen Kater, auch ein paar Fotos mitgebracht. Am vergangenem Freitag spielten nämlich Static Means und The Lost Jobs aus Leipzig sowie Routeens aus Giessen im AJZ-Café-Erfurt. Das Konzert selbst fand im Rahmen der Solikampagne „Free the Three“ für unsere Freunde in Gotha statt. Gleich zu Beginn machte die Leipziger Band Static Means auf den Charakter des Konzerts aufmerksam und rief das bis dahin noch viel zu nüchterne Publikum dazu auf, jede Menge Solischnaps zu trinken. Dem Aufruf sind, wie wir am Zustand so mancher Gäste feststellen konnten, auch einige Leute gefolgt.
Doch nun genug Gerede. Ihr wollt ja sicherlich nur die Fotos sehen, anstatt unser Geschwafel zu lesen. In diesem Sinne let’s go:

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Bösleben: Alte Tage wieder aufleben lassen http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/04/24/boesleben-alte-tage-wieder-aufleben-lassen/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/04/24/boesleben-alte-tage-wieder-aufleben-lassen/#comments Mon, 24 Apr 2017 16:44:44 +0000 Administrator Konzerte http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/04/24/boesleben-alte-tage-wieder-aufleben-lassen/

Am kommenden Freitag findet ein Konzert im Jugendclub Bösleben statt. Wie zahlreiche Freiräume in Thüringen, ereilte den Club vor Jahren die Schließung. Angeblich wäre eine Sanierung, bzw. das Vorhaben einen Versammlungsraum für den örtlichen Kegelverein einzurichten, der Grund dafür gewesen. Dazu ist es allerdings nie gekommen und so vegetierte das Gebäude vor sich hin. Doch nun haben ehemalige Mitglieder des Clubs für die Möglichkeit gesorgt, noch einmal einen gemeinsamen Punkrockabend in der Räumlichkeit des Jugendclubs zu veranstalten.
Daher laden wir alte Bekannte und natürlich auch neue Gesichter dazu ein, die Erinnerungen an den JCB noch einmal aufleben zu lassen.

Mit dabei sind:
- Supernichts (aus Köln und gerade auf Abschiedstour)
- Nixda (Hamburg)
- AidF (Bösleben)

PS: Manch einer wird sich an den Valentinstag 2009 erinnern, als nahezu die identische Veranstaltung von einer Hundertschaft ungeliebter Polizisten aufgelöst wurde.

Wir danken für die Einsendung des Textes!

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Eisenach: Naziangriff auf Lesung von Sören Kohlhuber http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/04/01/eisenach-naziangriff-auf-lesung-von-soeren-kohlhuber/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/04/01/eisenach-naziangriff-auf-lesung-von-soeren-kohlhuber/#comments Sat, 01 Apr 2017 11:46:18 +0000 Administrator Vorträge, Lesungen & anderes Sonstiges http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/04/01/eisenach-naziangriff-auf-lesung-von-soeren-kohlhuber/ Erst in der letzten Ausgabe der linken undogmatischen Zeitung ‚Lirabelle‘ haben wir über die Zustände in Eisenach berichtet. Als wir uns mit unseren Freunden vor Ort trafen, die Stadt besuchten und uns zeitweise das Naziproblem in Eisenach bewusst wurde, war uns klar das es nicht lange dauern wird, bis eine neue Eskalationsstufe erreicht ist. So kam es, dass am 30. März 2017 die Lesung des Journalisten Sören Kohlhuber im RosaLuxx von Nazis erst belauert und schließlich versucht wurde anzugreifen. Das konsequente Verhalten der Gäste verhinderte, dass der Angriff auf die Antifaschisten gelingen konnte. Anschließend möchten wir den Bericht von Sören Kohlhuber dokumentieren und darauf verweisen die Leute in der Provinz zu unterstützen! Die nächste größere Gelegenheit gibt es am 28. April, mit einer antifaschistischen Demonstration gegen Nazigewalt und rechte Umtriebe!

Saalfeld Eisenach Sören Kohlhuber Solidarität
Das Bild entstand in Saalfeld als Solidaritätsbekundung mit den Eisenacher Antifas und Sören Kohlhuber

Eisenach – Neonazis mit Selbstbewusstsein

Am Donnerstagabend versuchten zehn teilweise vermummte Neonazis eine meiner Lesungen anzugreifen. Nur durch ein entschlossenes Handeln der Gäste konnten die Neonazis auf Abstand gehalten werden. Ein Bericht und ein Aufruf.

Was passiert in Eisenach?

Läuft man durch Eisenach, dann sieht man die Präsenz der Neonazis an jeder Wand und jedem Schild. Sprühereien wie „Nazikiez“ oder Stencils mit dem Symbol „Hammer und Schwert“ sind im Stadtgebiet zu sehen. Aufkleber mit teils antisemitischen Inhalten sind ebenfalls verbreitet. Die „Nationale Jugend Wartburgkreis/Eisenach“ versucht damit eine Drohkulisse aufzubauen und Eisenach als ihre Stadt zu proklamieren. Ihr Ziel sind die wenigen Antifaschisten in der Stadt und so war ihnen auch meine Lesung im „Jugend- und Wahlkreisbüro RosaLuxx“ ein Dorn im Auge.

Knapp 30 Menschen nahmen an der Lesung teil, als am Ende meines Vorleseparts der Ruf ertönte: „Es geht los. Nazis kommen in einer größeren Gruppe.“ Bereits vor Veranstaltungsbeginn lauerten Neonazis in der Nähe, fotografierten Gäste ab und waren bereits teilweise vermummt. Die engagierten Menschen vor Ort berichteten mir, dass es auch in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffe auf linke Jugendliche gab. Meist handelte es sich dabei um „Zufallsbegegnungen“, die Neonazis konnten also immer mal wieder jemanden auf der Straße „wegfangen“. Doch an diesem Abend erreichte die Qualität der Angriffe eine neue Stufe.
Zwei Neonazis, die bereits vorher den Veranstaltungsort observierten, kamen mit Gefolge wieder. Etwa zehn vermummte Personen, teilweise bewaffnet mit Pfefferspray, Schlagstock und Glasflaschen, bauten sich zirka fünf Meter vor dem Eingang zum Wahlkreisbüro auf. In einen realen Angriff gingen sie allerdings nicht über, da ihnen sämtliche Gäste entschlossen gegenüberstanden. No Pasaran – so war die Ansage. Zweimal versuchten sie einen kleinen Vorstoß, doch am Ende zogen sie es vor, sich zurückzuziehen. Dabei sprachen sie die Drohung aus, man würde sich wiedersehen.
Die alarmierten Polizeikräfte suchten den Nahbereich und das Stadtgebiet ab, auffällige Personen entdeckten sie nach ersten Erkenntnissen nicht.

Gleichzeitig kam die Stunde des Patrick Wieschke. Der gewalttätige Neonazi und NPD-Stadtrat, der unter anderem seine Mutter und Schwester verprügelt haben soll, wurde offenbar direkt von seiner potentiellen Schlägertruppe informiert. So berichtete er wenige Minuten nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte von einem „linksextremen Übergriff“ während der Lesung eines „militanten Linksextremisten“. Laut seiner Darstellung wurde die Situation durch das Eintreffen der Polizeikräfte beruhigt. Dies ist natürlich Quatsch, da die Beamten sonst die Gruppe der Neonazis hätten feststellen hätte. So blieb den ihnen nur die Befragung derjenigen, die an der Veranstaltung teilnahmen.

Die an dem Vorfall beteiligten Neonazis sind nicht unbekannt. Sie selber reagierten in sozialen Netzwerken auf die Aktion und konnten so auch einer konkreten Gruppe zugeordnet werden. Die „Nationale Jugend Wartburgkreis/Eisenach“ besteht aus aktionsorientierten Neonazis, welche sich im Stile der „Autonomen Nationalisten“ kleiden und inhaltlich dem Netzwerk des „Antikapitalistischen Kollektivs“ zugeordnet werden können. Bereits vor einer Woche traten sie in Erfurt-Marbach auf, als Holzkreuze entfernt wurden, mit denen eine rechte Gruppe gegen einen Moscheebau protestierte.

Die Polizei, blind wie eh und je

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung war dem Orgakreis klar, dass wenn es zu einem direkten Angriff kommen könnte, dann wohl an diesem Abend. Aus diesem Grund wurden auch Polizeibeamte frühzeitig über den Charakter der Veranstaltung informiert. In anderen Orten, in denen ich bisher gelesen habe, fuhren die örtlichen Polizeikräfte Extrastreifen oder hielten sich in der Nähe des Veranstaltungsortes auf, da die Bedrohung dort als akut wahrgenommen wurde. Dabei war es egal ob Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg – nur in Thüringen, in Eisenach, nahm man die Bedrohung nicht ernst.
So konnten sich die Neonazis erst in der Nähe der Veranstaltung sammeln, anschließend fast bis zum Eingang des „RosaLuxx“ vordringen und sich anschließend entfernen, um sich so den Ermittlungsbehörden zu entziehen.
Offensichtlich wollte oder konnte nicht jeder der Lesungsgäste eine Aussage bei den Beamten machen. Zu groß ist oft die Angst, dass persönliche Meldedaten auf diesem Wege in der örtlichen Anti-Antifa-Datenbank landen. Dies sorgte für Verstimmung bei den Beamten und man fing bereits an, aus den Betroffenen potentielle Täter zu machen. Auch in den Verlautbarungen am Folgetag versuchte die Polizeibehörde Zweifel an der Darstellung der Bedrohten zu sähen. Obwohl sich Zeugen bereitstellten und sogar Personen aus dem neonazistischen Spektrum namentlich benennen konnten, bezweifelte man bei der Polizei überhaupt die politische Einordnung der Angreifergruppe, da die Augenzeugen die Zuordnung nicht anhand „konkreter Handlung oder Bekleidung festmachen“ konnten. Genau das ist die Absicht hinter der Mimikry-Taktik von „Autonomen Nationalisten“, sie wollen nämlich nicht direkt bei der ersten Sichtung als Neonazis erkannt werden. Dieses inzwischen fünfzehn Jahre alte Phänomen ist bei der Polizei in Westthüringen offenbar noch nicht angekommen. Weiterhin behauptet die Polizei ebenfalls, es gäbe bislang „keine verwertbaren Zeugenaussagen“ und die Neonazis hätten nicht „versucht, in die Räumlichkeiten der Buchlesung einzudringen.“ Dies geschah aber auch nur deshalb nicht, da die Gäste im Rahmen des Selbstschutzes entschlossen handelten.

Solidarität ist eine Waffe

Die Solidarität mit den Veranstaltern und mir als Referenten war enorm und gab den Menschen in Eisenach bereits in dieser Nacht, wenige Stunden nach dem Bedrohungsszenario, Kraft. Die Handys hörten nicht auf zu vibrieren und zu klingeln. Aus allen Ecken Deutschlands (die Orte aufzuzählen würde den Rahmen sprengen) wurde gefragt, ob es den Menschen vor Ort gut ginge und Solidarität ausgesprochen. Dabei habe nicht ich die Solidarität und die Grüße verdient, sondern eben diejenigen, die in Westthüringen tagtäglich der Bedrohung durch Neonazis ausgesetzt sind. Engagierte aus Eisenach sagten, dass es das erste Mal in zwei Jahren war, dass sich eine Gruppe von Neonazis und Antifaschisten derart gegenüberstanden. Eine Auseinandersetzung hätte für beide Seiten schwere Folgen gehabt.
Die Solidarität darf daher keine Eintagsfliege sein. Ich sitze wieder im kuscheligen Berlin, während die Menschen vor Ort unter der täglichen Bedrohung und Anspannung leben müssen – und wollen. Sie werden nicht einknicken oder wegziehen, sondern wollen den Neonazis die Stirn bieten.

Mein Aufruf daher: Fahrt am 28.04.2017 nach Eisenach. Ab 18 Uhr soll es eine Demonstration von antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Kräften gegen die Neonaziaktivitäten- und Gewalt vor Ort geben. Startpunkt ist der Westbahnhof. Und wenn Ihr mal wieder einen Urlaub plant – warum nicht mit der Bezugsgruppe mal ein paar Tage Eisenach? Die Leute vor Ort freuen sich sicherlich jederzeit über Besuch, Unterstützung und dem Gefühl, nicht alleine zu sein.

Quelle: Sören Kohlhuber

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Second Bandshirt – für‘n guten Zweck! http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/03/23/second-bandshirt-fuern-guten-zweck/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/03/23/second-bandshirt-fuern-guten-zweck/#comments Thu, 23 Mar 2017 13:57:41 +0000 Administrator Konzerte Vorträge, Lesungen & anderes Sonstiges http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/03/23/second-bandshirt-fuern-guten-zweck/ Ihr habt daheim noch alte Bandshirts liegen, die euch zu peinlich sind öffentlich anzuziehen? Zum Beispiel Shirts von Bands wie AbstinenzX, Sad Neutrino Bitches, Gloomster oder Pep im Kühlschrank? Es ist euch so peinlich, dass ihr damit nicht mal gesehen werden wollt, wenn ihr es in die Altkleiderspende tut? ;-)
Kein Problem! Da gibt es eine Lösung!

Die Rote Hilfe Erfurt startet einen Aufruf für Second Bandshirt. Ihr könnt z.B. bei der veto-Eröffnungsparty am 8. April in Erfurt eure Shirts dort abgeben und die werden dann bequem verschickt, verkauft und der Erlös geht an die Rote Hilfe! Geiles Ding denken wir uns und gehen auch gleich mal in unseren begehbaren Kleiserschrank und misten aus!
Alle wichtigen Infos gibt es bei der Roten Hilfe Erfurt.
Eine gute Möglichkeit eure alten Shirts los zu werden, findet ihr am 8. April im veto! Dort wird die Neueröffnung gefeiert, Radical Print 3 Jahre alt und das Stattschloss ein Jahr alt. Die ganze Sache startet um 15 Uhr mit Spiel, Spaß und Kuchen. Abends gibts dann im Schimmelkeller ein Konzert u.a. AbstinenzX, Pep im Kühlschrank und Tiger Magic, sowie vielen anderen hochkarätigen musikalischen Beiträgen. Also schnappt euch eure alten Lappen aus dem Schrank, feiert euch am 8. April richtig Weg und supportet die Rote Hilfe!

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Wenn „Punks“ rechte Hetze verbreiten http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/03/04/wenn-punks-rechte-hetze-verbreiten/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/03/04/wenn-punks-rechte-hetze-verbreiten/#comments Sat, 04 Mar 2017 11:11:59 +0000 Administrator Sonstiges http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/03/04/wenn-punks-rechte-hetze-verbreiten/

Bereits zum Beginn letzten Jahres sind wir darauf aufmerksam geworden, dass ein Mitglied einer thüringischen Punkband öffentlich Hetze durch das Verbreiten von Inhalten einschlägiger rechten Seiten betreibt. Nun, knapp ein Jahr später, wiederholte sich diese Prozedur, was uns endgültig dazu veranlasst, unsere Community darüber aufzuklären.

Natürlich bedauern wir es sehr, dass wir nicht bereits im vergangenen Jahr darüber berichteten. So tun wir es eben jetzt.
Bei dem besagten „Punk“ handelt es sich um den Gitarristen der Breitunger Band „Bockbierhagel“. Bereits im Sommer vergangenen Jahres konfrontierten wir diesen bei einem Konzert seiner Band mit seiner geteilten rassistischen Hetze. Angesprochen auf unsere Vorwürfe, dass er rechte Hetze durch das Verbreiten von Inhalten rassistischer Bürgerbewegungen wie „Nein zum Heim in Blankenburg“ verbreitet, entgegnete dieser, dass er dies nicht getan habe. Immer wieder wurde im Verlauf des lediglich kurzen Gespräches abgestritten, Beiträge der rechten Facebookseite geteilt zu haben. Erst als ihm verdeutlicht wurde, dass davon Screenshots existieren, knickte er ein und gestand. Er sagte, dass „sie (Anm.: die Bürgerbewegung) mit ihrem Post irgendwie schon Recht haben“. Daraufhin verschwand der Gitarrist.

Ein Jahr später wiederholt sich das Verbreiten rechter Inhalte durch den Gitarristen. Diesmal teilte er einen Beitrag von Ignaz Bearth, welcher sich mit kruden Theorien des Verschwörungstheoretiker und Antisemiten Andreas Popp beschäftigt. Ignaz Bearth ist Mitbegründer des schweizer Pegida-Ablegers und tritt bundesweit immer wieder als Redner bei Neonazidemonstrationen auf. So auch am 4. Juni vergangenes Jahr in Erfurt. Öffentliche Stellungnahmen oder Reaktionen seitens der anderen Bandmitglieder auf die Vorfälle sucht man vergebens, selbst nachdem wir die Band mehrmals direkt um eine Erklärung gebeten hatten.

Die Konsequenz, die wir bereits im vergangenen Jahr daraus gezogen haben war, dass wir keine Konzerte von Bockbierhagel bewerben und nun mit diesem kurzen Post andere Menschen darüber aufklären. Was ihr nun damit macht, ist eure Sache.

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Abstinenzx & Fahnenflucht in der JG-Stadtmitte Jena http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/01/14/abstinenzx-fahnenflucht-in-der-jg-stadtmitte-jena/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/01/14/abstinenzx-fahnenflucht-in-der-jg-stadtmitte-jena/#comments Sat, 14 Jan 2017 21:53:27 +0000 Administrator Konzerte Fotos http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/01/14/abstinenzx-fahnenflucht-in-der-jg-stadtmitte-jena/ Obwohl wir bereits im Dezember ein Konzert von Abstinenzx besuchten, waren wir auch am vergangenen Samstag erneut auf einem ihrer Konzert. Eine Straight-Edge-Punkband beschwert sich nämlich nicht, wenn wir ihnen das Bandbier wegtrinken. Doch nicht nur die Punks aus Erfurt standen an diesem Abend auf der Bühne. Mit Fahnenflucht hatte sich die JG-Stadtmitte nämlich noch eine Band eingeladen, die jeder spätestens seit dem „Schlachtrufe BRD V“-Sampler kennen sollte.


Den Abend eröffnet Abstinenzx, die zunächst mit ihren Sticks um sich warfen, …


… sich aber schnell gefangen haben…


… und mit ihren Texten…


… und scheppernden Punkrock…


… die JG-Stadtmitte zum Beben brachten.


Wie bei eigentlich jeden ihrer Konzerte vor allem in Thüringen…


hatte die Band auch ihre treuen Fans mit im Gepäck.


Als zweite Band und bereits letzte Band spielte der Headliner Fahnenflucht.


Die äußerst bekannt Deutschpunk-Band aus Rheinberg…


… wusste den Schwung, den Abstinenzx in die JG mitgebracht hatte für sich zu nutzen…


… und auch die letzten ließen alle Hemmungen fallen, …


… sodass zunäscht ein gelbes Bengalo…


… und direkt danach ein rosa Bengalo…


… den bereits stark zugerauchten Konzertraum in eine Nebelhöhe verwandelten.


Nach einer kurzen Pause und einen Schub Frischluft ging der Auftritt weiter.


Der tanzwütigen Meute war die Pause kaum anzumerken…


… und die Leute flogen noch heftiger als zuvor durch den Raum.


Abschließend gab es noch ein paar altbekannte Songs als Zugabe…


… die dann sogar die Vollsten des Abends mitgröhlen konnten.

Abschließend möchten wir uns vor allem noch bei den Menschen bedanken, die uns Bier und den Eintritt ausgegeben haben! Ihr scheint unser Selbstverständnis bis zum Schluss gelesen zu haben. Danke!

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Punk in der Thüringer Provinz – Teil 2: Punk und Eisenach im Schatten der Wartburg http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/01/14/punk-in-der-thueringer-provinz-teil-2-punk-und-eisenach-im-schatten-der-wartburg/ http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/01/14/punk-in-der-thueringer-provinz-teil-2-punk-und-eisenach-im-schatten-der-wartburg/#comments Sat, 14 Jan 2017 13:15:06 +0000 Administrator Konzerte Interviews Sonstiges http://thueringenpunk.blogsport.de/2017/01/14/punk-in-der-thueringer-provinz-teil-2-punk-und-eisenach-im-schatten-der-wartburg/ In der aktuellen Lirabelle erschien der zweite Teil unserer Reihe über Punk in der Thüringer Provinz. Nachdem wir das letzte Mal tief in den Osten gefahren sind, um über Altenburg zu berichten, ging es nun fast die Grenze der Zone. In Eisenach haben wir uns mit zwei Freunden getroffen die sich mit den Zuständen in der Stadt auseinandersetzen, trotz vieler Steine die ihnen in den Weg gelegt werden Punkrockshows unterstützen und gegen die alltägliche Tristesse der ostdeutschen Stadt im westlichen Teil Thüringens ankämpfen. An dieser Stelle vielen Dank an die Zwei, für die Geduld, Antworten und eure Mühen! Ebenfalls gehen Grüße an Gloomster, Fleshhead Attack, A.L.ESA und alle die wir dort kennen, aber nicht namentlich nennen können.
Für die kommende Ausgabe der Lirabelle ist bereits der nächste Teil geplant. Seid gespannt, aber bis dahin könnt ihr erstmal in Erfahrung bringen, was in Eisenach abgeht.

Es ist der 4. November 2011. Zwei Männer rauben die lokale Sparkasse aus, erbeuteten knapp 70.000 Euro und flüchten auf ihren Fahrrädern zu einem Wohnmobil. Hierin verstauen sie ihre Fahrräder und flüchten weiter. Ein paar Stunden später finden Polizisten das Wohnmobil in Eisenach-Stregda. Es fallen Schüsse, getroffen wird niemand. Das Wohnmobil gerät in Flammen, kurz darauf werden zwei sterbliche Überreste geborgen. Es sind die Leichname von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

5 Jahre später sind wir auf dem Weg nach Eisenach, wo sich die wohl größte rechte Terrororganisation seit dem Nationalsozialismus, der NSU, selbst enttarnte. Während der Fahrt diskutieren wir über dessen Auffliegen, die Rolle des Staates, aber auch darüber, wie die Stimmung seit dem in der westthüringischen Stadt heute ist und wie es um die antifaschistische und alternative Szene vor Ort bestellt ist. Am Gleis 3 des Eisenacher Bahnhofs steigen wir aus, wo wir bereits von zwei Menschen erwartet werden. Ihre Namen nennen wir aus Sicherheitsgründen nicht. Mit den beiden schauen wir uns die Gegend an und sprechen über Subkultur, Neonazis und den Alltag in der Stadt, die Otto von Bismarck zu ihren Ehrenbürgern zählt.

Von der Vergangenheit ist nicht viel geblieben

Nachdem wir uns ein Getränk geholt haben, beginnt unserer Rundgang durch Eisenach und sofort kommen wir miteinander ins Gespräch. „Irgendwie gab es hier schon immer eine Punk- und Hardcore-Szene, die gar nicht so klein war bzw. ist“, meint einer unserer Begleiter. Hier kommen schon mal 100 bis 150 Menschen zu Konzerten. Eigene selbstverwaltete Anschlaufstellen wie in Gotha oder Weimar gibt es nicht. Vor vielen Jahren sah das jedoch anders aus: „In den 90ern gab es einen Club namens ‚Outsider‘, der in linker Hand war. Aber warum es diesen nicht mehr gibt, kann ich auch nicht sagen“, erklären sie uns. Doch dies war nicht die einzige Location, in der man sich als linker oder alternativer Jugendlicher treffen konnte.„Im ‚Sound & Culture‘ waren vor einigen Jahren auch noch junge Menschen unterwegs, die einer alternativen Subkultur keine Steine in den Weg gelegt haben.“ Dort war es einfach Konzerte oder eigene Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Die KVG-Eisenach, also das Unternehmen des lokalen ÖPNV, machte dem einen Strich durch die Rechnung. Sie ersetzte den Club nämlich durch etwas, was einem typischen Jugendclub in der Provinz sehr nahekommt: zwar keine Bushaltestelle, aber einen Busparkplatz. Immerhin eine gute Möglichkeit um schneller aus Eisenach wegzukommen, doch für diejenigen, die bleiben wollen, bleibt es ein schwerer Einschnitt.


Es war damals nicht alles schlecht. Eisenach 1945 nach der Bombardierung. Aus diesem Zeitraum gibt es die besten Fotos der Stadt.

Andere Locations, wie das ‚Gleis 1‘, wurden in der Vergangenheit vom Betreiber vor die Wand gefahren und können somit auch nicht mehr als Anlaufpunkt für alternative Jugendliche gezählt werden. „Auch eine eher alternative Kneipe namens ‚Zero‘ wurde von linken Leuten in der Vergangenheit öfters besucht. Jedoch kamen hier irgendwann mehr und mehr Nazis in den Laden und vom Besitzer hat die linke Szene hier keinen Rückhalt bekommen. Alles frei nach dem Motto: ‚Wer friedlich ist, darf hier trinken‘„, erzählen die beiden mit schmerzverzerrtem Gesicht. Eine Mischung aus Wut und Trauer sind ihnen schon anzumerken, wenn sie über die Vergangenheit sprechen und dies mit den heutigen Chancen und Möglichkeiten für Subkultur vergleichen.
Für Konzerte mit einer klaren politischen Kante ist es in Eisenach schwer geworden einen geeigneten Ort zu finden. Zumindest gibt es für politische Bildung einen mehr oder weniger passenden Raum. Zwar sehen wir keinen Grund davon abzurücken, die Linkspartei weiterhin zu kritisieren, dennoch hat sich mit dem Parteibüro „RosaLuxx“ einiges in Eisenach verbessert. Auf dem Weg dorthin wird uns berichtet, dass hier immer wieder FIlmvorführungen und Vorträge stattfinden. Angekommen vor dem Büro, was eine „gute Anlaufstelle für politisch motivierte Menschen“ darstelle, stehen wir vor verschlossender Tür. Ein Blick durch das Fenster zeigt, viel Fläche steht dort nicht zur Verfügung. Für Eisenach muss es wohl erstmal reichen. „Vermutlich wäre die Szene auch besser aufgestellt, wenn es ein alternatives Jugendzentrum geben würde. Man beobachtet ja schon in Städten, wo es so etwas gibt, dass die Szene konstanter und aktiver ist“, wird uns zugeraunt, doch ein AZ oder alternatives Jugendzentrum gibt es nicht und steht in Zukunft leider nicht in Aussicht.

„Das Problem haben sie doch alle!“

Die Folgen der ausbleibenden Möglichkeiten zum Treffen und zur freien Entfaltung der Subkultur sind, wie es an vielen Orten in der Provinz zu Tage tritt, fatal. Die Jugendlichen versuchen nach dem Schulabschluss der Provinz den Rücken zu kehren und ziehen zumeist in größere Städte wie Göttingen oder Leipzig. „Ich kann die Leute vollkommen verstehen. Was hat denn so eine Stadt wie Eisenach schon zu bieten?“, fragt einer unserer Provinzscouts, der selbst viel außerhalb von Eisenach unterwegs ist. In großen Städten ist das kulturelle, aber auch das politische Angebot bedeutend größer. So kam es auch schon vor, dass ganze Freundeskreise die Stadt hinter sich gelassen haben.
„Das macht es auch so schwierig, konstante Strukturen zu entwickeln. Man merkt dies einfach an einem Kommen und Gehen der Menschen. Die Szene vor Ort ist somit einer hohen Fluktuation unterworfen“, führt er weiter aus.


Soli-Konzert in Eisenach u.a. mit Gloomster aus der Stadt

Die Leute, die noch vor Ort sind, lassen sich glücklicherweise davon nicht aufhalten und machen weiter. Sie organisieren Konzerte und Vorträge, betreiben ein Klamotten-Label im Internet, um die provinzielle Gegend nicht aufzugeben und die Fahne einer alternativen Subkultur aufrecht zu halten. Doch um eine eigene Location zu betreiben, fehlt es vor Ort an vielem. Für aktuelle Konzerte, so wird uns berichtet, gibt es den Schlachthof. Die Location ist uns bereits von einigen Konzerten bekannt. Eine große, ungemütliche Halle, an deren Türen bei früheren Konzerten oft eine Nazisecurity stand. Keine Atmosphäre zum Wohlfühlen, doch mittlerweile hat sich dies in einigen Punkten verbessert. „Natürlich braucht man da sowas wie Security, aber auch da gibt es inzwischen Firmen, mit denen man ohne Bauchschmerzen zusammenarbeiten kann“, wird uns erläutert. Einmieten muss man sich trotzdem für Konzerte, ein Kostenpunkt der bei Provinzkonzerten erst einmal gedeckt werden muss. Am 29. Oktober fand wieder so ein Konzert im Schlachthof statt. Dabei ging es darum, Solidarität mit lokalen Antifaschisten zu zeigen und Geld für Repressionskosten zu sammeln, welche im Nachgang der Proteste gegen einen der unzähligen NPD-Aufmärsche im März 2016 anfielen. Damals bedrängte die Polizei willkürlich Antifaschisten, um sie wegen angeblicher Vermummung belangen. Eine gängige Praxis der Cops und sicherlich eine ätzende Angelegenheit, doch die Solidarität danach war überraschend groß. „Es hat uns sehr gefreut, dass sich Leute gefunden haben, die ein Soli-Konzert organisierten. Antifaschistische Proteste dürfen nicht kriminalisiert werden.“ Ein Lichtblick in der Provinz und eine nötige Aktion, um weiterhin zu ermöglichen, gegen Nazis in Eisenach auf die Straße zu gehen und danach nicht allein auf dem Ärger und den Kosten von Strafbefehlen oder ähnlichem sitzenzubleiben.

Militante Nazi-Szene und Burschentag

Unser Weg führt uns weiter in die Innenstadt von Eisenach. Wir schlendern durch eine Einkaufpassage. An den Laternen fallen uns viele Sticker auf, die zum Großteil abgekratzt sind und doch lässt sich an manchen Stellen erkennen, was hier vormals klebte. „NS-Area“ findet sich nicht nur auf Stickern, sondern auch an diverse Wände gesprüht. Nach dem ein oder anderen schäbigen Nazischeiß, den wir mit unseren edlen Thüringenpunk-Stickern überklebt haben, einer neuen Fuhre Bier und Cola kommen unsere Begleiter auf ein Thema zu sprechen, um das man in Eisenach nicht herum kommt. „Die politische Entwicklung hier ist seit ein paar Jahren, wie in viele ostdeutschen Provinzen, ziemlich gruselig. Es finden in Eisenach regelmäßig Neonazi-Konzerte statt, es wächst eine militante Nachwuchs-Nazi-Szene heran und den ein oder anderen rechten Übergriff gab es auch in der Vergangenheit.“ Im Stadtrat sitzt die NPD in Person des mehrfach vorbestraften Neonazi Patrick Wieschke und zwei weiteren dieser Art. Zwar kommt den Dreien im Stadtrat keine große Bedeutung zu, aber auf der Straße kommt ihre Propaganda an. Für einen bundesweiten Eklat sorgte die Stadtratsfraktion der NPD im vergangenen Jahr, da ihr Antrag auf Abwahl der linken Oberbürgermeisterin von der CDU unterstützt wurde und nur knapp scheiterte.

Auf die Frage, warum in Eisenach solche Strukturen und viele junge Leute bei den Nazis landen, überlegen die beiden kurz und antworten: „Das ist eine schwierige Frage. Man könnte jetzt mit ‚Perspektivlosigkeit‘ antworten, aber das ist sicher zu pauschal gesagt.“ Wir diskutieren über mögliche Gründe wie fehlende Bildung oder Zukunftsängste der Jugend, doch im Endeffekt seien die Gründe, warum junge Menschen sich für rechte Ansichten begeistern in Eisenach keine anderen als in Suhl, Gotha oder Erfurt.

Den alljährlichen Höhepunkt der Ekelhaftigkeit in der Stadt Eisenach bildet der Burschentag der ‚Deutschen Burschenschaft‘. Schon öfter haben wir davon gehört und auch von den Protesten dagegen. Wie die Stimmung in der Stadt ist, wissen die beiden aus Eisenach sehr wohl: „Überall sieht man dann diese elitären, uniformierten Vollidioten. Leider scheinen sie dabei von weiten Teilen der Gesellschaft akzeptiert zu sein und die Gastronomen erfreuen sich an guten Umsätzen“, erklären sie uns und fügen hinzu, „Zu späterer Stunde hört man dann in den Straßen auch mal verbotenes deutsches Liedgut von den Herren, aber das scheint kaum jemanden zu stören.“ Für Anfang nächsten Jahres kündigen die beiden an, es werde in Eisenach Vorträge zur Kritik der Burschenschaft geben. Der antifaschistische Widerstand gegen des Event der elitären, sexistischen, rassistischen und antisemitischen Burschenschaft soll neu belebt werden. Wie sich das im kommenden Jahr entwickelt bleibt für uns sowie die zwei Begleiter eine spannende Angelegenheit. Fest steht, dass der Burschentag nicht unbeantwortet bleiben soll. In diesem Jahr zog es die Burschis auf ein Dorf zwischen Eisenach und Gotha, um ihre Sitzungen abzuhalten. Antifaschistische Interventionen in der dörflichen Provinz zu organisieren, ist noch um einiges schwerer als in Eisenach selbst.


Demo gegen Burschentag in Eisenach

Doch nicht nur in Eisenach kämpft die alternative linke Szene ums Überleben

Ganz scheint das Eisenacher Umland nicht verloren zu sein. Kleine Orte wie Wutha-Farnroda oder Merkers, so wird uns berichtet, sind immer wieder Orte für Punkrockshows. Besonders bekannt dürfte hier das „Rock am Berg“ in Merkers sein. Einmal im Jahr findet an einem Wochenende ein Punkrockfestival statt, auf dem sich auch antifaschistische Infostände finden, Bands mit eindeutigen Statements auftreten und sich die Veranstalter dem Kampf gegen Rechts verschrieben haben. Klar, so mussten auch die Leute vor Ort feststellen, bleibt die allgemeine Situation nach wie vor beschissen. Für ein Wochenende wird der Provinz aber gut eingeheizt. Das wissen auch unsere beiden Begleiter und bringen die Bedeutung des Festivals für die Region auf den Punkt: „Das ist eine super Geschichte. Hier kommen antifaschistisch motivierte Menschen, nicht nur aus der Region zusammen, sondern auch überregional. Solche Veranstaltungen sind einfach wichtig, um Menschen kennenzulernen, sich zu vernetzten oder einfach um mal wieder zu merken, dass man nicht alleine ist.“

In unseren Thüringenpunk-Konzertkalender tragen wir immermal wieder Wutha-Farnroda als Veranstaltungsort ein. Wie wir aber erfahren müssen, hat es sich dort bis auf weiteres mit Punkrockshows erledigt. „In Wutha-Farnroda finden leider keine Konzerte mehr statt, da der Club saniert wurde und für die tägliche Jugendarbeit verwendet wird. Das ist schade, da die Shows da immer echt gut waren“, wird uns erklärt. Wir finden es bedauerlich, dass es von der Jugendarbeit zu Punkrockkonzerten keinen fließenden Übergang geben kann und somit den Konzerten ein Ende gesetzt wurde. Schließlich haben dort seit Jahren die Szenegrößen der Region gespielt. Punkrock made in Eisenach ist für viele spätestens dann ein Begriff, wenn von Bands wie Fucking Faces oder den ESA-Zecken die Rede ist. Doch nicht nur diese Bands sind heute bekannt. Die junge Generation ist mit Gloomster, Abserviert, Fleshhead Attack, Kaspar Hauser usw. nicht gerade schlecht vertreten. Lachend stellt einer unserer Begleiter fest „Eisenach hatte in Richtung Punk schon immer was zu bieten.“ Schon oft konnten wir uns selbst davon überzeugen, dass die Bands aus dieser Ecke Thüringens gut ausgestattet sind und viel miteinander machen. Das führt, wie wir anmerken, zu einem eigenen Eisenacher-Punkrock-Stil. Darüber können die beiden nur lachen und winken ab. „Es gibt ja nicht nur Punkrock in Eisenach“, wird uns entgegenet. „Mit der ‚Straight Outta East Side‘-Konzertgruppe gibt es auch wieder Menschen, die regelmäßig Hardcore-Shows machen. Es geht also doch noch was hier und das freut uns! Natürlich ist das alles überschaubar, aber man arbeitet Hand in Hand zusammen und unterstützt sich gegenseitig, sei es Hardcore oder Punk.“


Rock am Berg in Merkers 2016

Reißt die Hütte ab

Der Spuckschluck in unseren Sterniflaschen schmeckt schal und so langsam haben wir es satt, im Schatten der Wartburg durch diese Stadt zu laufen. Es geht zurück zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin berichten wir noch von unserem Gespräch über den NSU auf der Hinfahrt. Es stellt sich schnell die Frage, wie die beiden das Auffliegen der Terrorgruppe im Jahr 2011 empfunden haben. „Die Nachricht hat uns natürlich schockiert“, stimmen beide überein. Nach einer kurzen Zeit des Nachdenkens wird angefügt: „Es war uns zwar bewusst, dass es da einen militanten rechten Flügel gibt, aber das Ausmaß, was seinerzeit zum Vorschein kam, war schon eine Dimension, die man sich so nicht ausgemalt hatte.“ Über lokale Verstrickungen des NSU‘s nach Eisenach kann nur spekuliert werden. „Verstrickungen zur lokalen Szene gab es da sicher auch. Es ist ja schon unwahrscheinlich, dass es nur ein Zufall war, dass der NSU bei Eisenach aufgeflogen ist und das hier auch zuvor der Banküberfall stattgefunden hat.“ Ob die Ermittlungen dazu neue Erkenntnisse bringen? Die zwei Eisenacher Antifaschisten glauben das eher weniger. Die Hoffnung, es werde eine lückenlose Aufklärung geben, bröckelt eben auch hier.
Kurz bevor wir uns verabschieden schweift unser Blick noch einmal zur Wartburg. Wir fragen die Zwei, ob sie sich denn nicht mal eine fette Punkerparty dort oben auf der Burg vorstellen könnten. Bevor das passiert, müssen noch ein paar Bedingungen erfüllt werden, eröffnen uns die beiden: „Ein Punkkonzert findet auf der Wartburg erst statt, wenn man sich nicht mehr mit den Federn eines Antisemiten wie Martin Luthers schmückt. Da dies unwahrscheinlich ist und der Berg auch viel zu steil erscheint, bleiben wir eher in der Stadt.“

Mit dem Wissen, die kommenden Punkrockkonzerte in Eisenach supporten zu wollen, Martin Luther öffentlich als Antisemiten zu demaskieren, mehr coole Thüringenpunk-Sticker dorthin zu schicken und die Wartburg endlich abzuschleifen, fahren wir mit einem guten Gefühl aus Eisenach ab – ob es an den paar Bieren oder der guten Gesellschaft unserer zwei Freunde aus Eisenach liegt, wissen wir nicht, an der Stadt und ihren Zuständen liegt es aber sicherlich nicht.

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